
Samir Muratovic im Gespräch
Zwischen zwei Trainingseinheiten nahm sich der sympathische Spielmacher Zeit um über das Nationalteam und die für ihn ungewohnte Reservistenrolle bei Sturm Graz zu plaudern.
Samir, du hast eine gute Woche hinter dir! 2:1 Sieg mit der Nationalmannschaft gegen Ghana – mit sehr guten Kritiken in den bosnischen Medien - und endlich dein erster Kurzeinsatz für Sturm am Samstag gegen Ried, wo du das Spiel in den letzten zehn Minuten gleich an dich gerissen hast. Wie fühlst du dich nach dieser Woche?
Samir Muratovic: Gleich wie jede andere Woche. Gegen Ghana war ja nur ein Freundschaftsspiel, da geht es eigentlich nur darum, sich nicht zu verletzen. Und am Samstag gegen Ried war es zwar nur ein Kurzeinsatz, aber ich habe mich natürlich gefreut endlich wieder für Sturm spielen zu dürfen.
Warum spielst du jetzt wieder im Nationalteam? Du hast ja angekündigt deine Teamkarriere zu beenden.
Samir: Ich habe eigentlich gesagt ich möchte nicht mehr im Team spielen, damit ich mich nur mehr auf Sturm Graz konzentrieren kann. Safet Susic (Anmerkung: neuer Nationalteamtrainer von Bosnien-Herzegowina) hat mich dann mehrmals angerufen und gebeten doch noch ein Jahr weiter zu spielen, da er zu wenige Spieler hat, die auf meiner Position spielen können. Da ich dann in den ersten Runden bei Sturm nicht zum Einsatz gekommen bin, habe ich zugesagt, denn als Fußballer will man natürlich immer spielen.
Wie enttäuschend war es im letzten Jahr nach der tollen Qualifikationsrunde für die WM in Südafrika in den Playoffs gegen Portugal auszuscheiden?
Samir: Das war sehr schlimm. Das ganze Land hat quasi in dieser Woche nur für dieses Spiel gelebt und alle waren dann natürlich sehr traurig über das Scheitern. Aber das Team ist sehr stark und das Leben geht weiter. In einem halben Jahr startet schon die Qualifikation für die Europameisterschaften und da haben wir eine gute Gruppe erwischt. Unser Team ist sehr stark und wir wollen diese Gruppe gewinnen oder zumindest Zweiter werden.
Kommen wir jetzt zu Sturm. Du „spaltest“ die Grazer Fans, einige lieben dich aufgrund deiner Spielweise, andere lasten dir an oft zu lässig zu agieren. Wie gehst du damit um?
Samir: Das ist normal. Jeder Fan hat seine Lieblingsspieler. Ich gebe immer alles – manchmal geht es gut, manchmal schlecht – so ist Fußball nun einmal.
Zuletzt gab es in einer Tageszeitung Gerüchte über Disziplinlosigkeiten deinerseits, welche aber von Trainer Franco Foda sofort vehement dementiert wurden. Woher kommen solche Gerüchte?
Samir: Das weiß ich auch nicht. Ich habe mich immer korrekt Verhalten und gut trainiert. Auch der Trainer hat mir das bestätigt. Wer immer solche Gerüchte schnürt kann ich nicht sagen. Es hat ja auch letztes Jahr geheißen ich möchte Sturm unbedingt verlassen, auch das hat nicht gestimmt. Ganz im Gegenteil, ich möchte hier in Graz meine Karriere beenden.
Du bist jetzt 34. Ist es für ältere Spieler wie dich oder auch Mario Haas jetzt besonders schwierig bei so einem großen Kader im Training zu bestehen?
Samir: Seit ich Fußball spiele war ich immer fit und hatte auch nie eine gröbere Verletzung. Deshalb habe ich auch kein Problem mit dem Druck oder meiner Kraft. Vielleicht ist es bei Mario etwas schwieriger, weil er eine lange Verletzung hatte, aber jetzt wo er wieder gesund ist, sehe ich da keine Probleme für uns beide. Wir trainieren gut und können mit den Jüngeren auf jeden Fall mithalten.
Was ist heuer in der Meisterschaft und im Cup noch möglich?
Samir: Momentan ist alles möglich. Wir hatten zwar bis jetzt leichtere Gegner, aber auch die sogenannten „Kleineren“ muss man erst einmal schlagen. In den nächsten Spielen wird sich zeigen wo der Weg in der Meisterschaft heuer hinführt. Nach den drei Spielen gegen Magna, Rapid und Salzburg kann man vielleicht schon eine Prognose abgeben. Salzburg ist wahrscheinlich nicht zu erreichen, aber zwischen Platz Zwei und Vier wird es sehr eng werden.
Im Cup ist immer alles möglich. Es kommt auf die Tagesform an und an einem guten Tag können wir jeden Verein schlagen. Aber wir sind erst im Viertelfinale und es ist noch ein weiter Weg. Die Fans hier in Graz hätten sich aber auf alle Fälle wieder mal einen Titel verdient.
Im Training sieht man oft, dass du dich mit Gordon Schildenfeld sehr gut verstehst, ihr legt auch öfters nach dem Training zusammen mit Haris Bukva „Sonderschichten“ ein. Glaubst du dass er in Graz bleiben wird?
Samir: Das wird sehr schwierig. Ich weiß er möchte gerne bleiben, hat aber Probleme mit Besiktas. Ich kann es also nicht beurteilen. Natürlich wäre es wichtig für uns, dass er in Graz bleibt, denn er ist ein großartiger Fußballer.
Du selbst hast noch Vertrag bis 2011. Werden wir dich auch danach noch in Graz sehen können?
Samir: Es ist zwar momentan etwas schwierig für mich auf der Tribüne oder der Bank zu sitzen, aber ich habe noch über ein Jahr Vertrag und ich will in Graz bleiben. Meine Frau ist hier zufrieden und den Kindern gefällt es auch sehr gut. Ich habe in meiner Karriere schon bei vielen Klubs gespielt, aber hier bei Sturm ist es für mich etwas Besonderes. Das erste Mal kann ich sagen ich liebe den Verein für den ich spiele und das ist für mich das Wichtigste. Ich hätte letzten Winter und auch im Sommer einige Angebote gehabt – aus der Bundesliga und aus dem Ausland – wo ich viel mehr verdienen hätte können, aber Sturm ist für mich zu meinem Herzensverein geworden und deshalb möchte ich auch bis zu meinem Karriereende in Graz bleiben.
Im Sturm scheinen Beichler und Lavric gesetzt zu sein, dahinter „lauern“ noch Kienast und Haas, im Mittelfeld haben Weber und Hlinka ihren Fixplatz. Wo siehst du eher die Möglichkeit in die Startaufstellung zu rutschen?
Samir: Das ist völlig egal. Ich habe in meiner Karriere schon viele Positionen gespielt. In meinen Anfangsjahren als Profi habe ich als klassische Spitze gespielt. Dann in Russland wurde ich zweieinhalb Jahre hinter den Spitzen eingesetzt. Beim GAK wiederrum habe ich dann im zentralen Mittelfeld gespielt. Mein Vorteil ist, dass ich all diese Positionen gut spielen kann. Vielleicht ist es für mich im Moment leichter im Mittelfeld zum Einsatz zu kommen, denn da haben wir ja nur Weber und Hlinka, im Sturm haben wir wirklich sechs sehr gute Spieler zur Verfügung. Aber das entscheidet ganz allein der Trainer, ich kann mich nur immer wieder im Training anbieten und wenn ich meine Chance bekomme, werde ich sie auch nutzen.
Jetzt steht am Samstag das Spiel in Wr. Neustadt an und dann geht es zu Hause gegen Rapid. Nach der Partie gegen Ried haben viele Fans gemeint, spätestens gegen Rapid brauchen wir dann einen Muratovic in Topform in der Startaufstellung. Wie siehst du das?
Samir: Natürlich möchte ich immer spielen, sonst wäre ich kein Profi. Aber es ist immer alles möglich. Der Kader ist sehr groß und der Trainer entscheidet wer spielt und wer nicht. Bei so einer Kaderdichte wird es immer Härtefälle geben. Bukva hat gegen Linz noch von Beginn an gespielt und saß gegen Ried nur mehr auf der Tribüne. Ich kann nur immer im Training alles geben und auf meine Chance warten. Egal wann mich der Trainer braucht, ich werde bereit sein.



