Multimedia - 24.07.2017, 17:29

Leseproben

SturmEcho Nr. 349

Die Faszination des Erdigen

(Auszug als Leseprobe)

Mehr als bloß eine Fußballtradition: Vor 108 Jahren wurde der Sturm-Platz aus der Taufe gehoben. Seither ranken sich um die Gruabn unzählige Geschichten und Anekdoten. Erinnerungen an Bierduschen, ein Knusperhäuschen und Modetänze.

Die Gruabn. Schon dieser Name. Dialekt adelt lautmalerisch das Unperfekte, das, was nach herkömmlichen Vorstellungen nicht unbedingt ein Schmuckkästchen ist. Das Rohe also, das Elementare, das Erdige, das Schmutzige. Lässt es zumindest sympathisch klingen. Gruabn reimt sich zudem kongenial auf „Buam“, was wiederum die Arbeit für Texter von Sturm-Songs erleichtert. Wem fällt schon etwas zu „Die Grube“ ein? Die Gruabn, da denkt man von vorneherein an harte Bedingungen, an Platznot und schwierige Bodenverhältnisse. Wer das gleichnamige Stadion von Sturm Graz jemals betreten hat, dem fallen dazu noch ein: englisches Flair, grandios hitzige Stimmung, Fans auf Hausdächern und eine Holztribüne, die Fußballerschweiß und Fanherzblut aus Jahrzehnten in sich aufgenommen hat. Kurzum: Die Gruabn – ein Kultstadion.

Ein „Stadion als Typus des Geltungbaues“ (Architekturkritiker Jan Tabor) ist der 1919 feierlich eröffnete Sturmplatz vulgo Gruabn nie gewesen. Zwar ist alles Notwendige vorhanden, aber eben in der Basisausführung und nicht in der Luxusvariante. Das beginnt schon bei der Größe: 100 Meter mal 65 Meter. FIFA und UEFA empfehlen immerhin 105x68 Meter. Die Enge erhöht die Spannung: Ein gelungener Ausschuss des Goalies kann direkt in eine Torchance münden. Von der Outlinie bis zum Zuschauerzaun sind es gerademal eineinhalb Meter. „Eine Regenschirmlänge“ in den Worten von Günter Klimkeit, dem Sportreporter der „Neuen Zeit“. Die Zahl der Bierduschen für gegnerische Spieler, Schieds- oder Linienrichter war enorm, bei einem falschen Abseitspfiff konnten schon zwei Dutzend Becher durch die Luft fliegen. Und das ist keine Unmutsnostalgie. Das war so.

"Obi mit’m Schirm! Bist aus Zucker?"

Bekannte Anweisung in der Gruabn

Nicht immer jugendfrei

Der typische Gruabnbesucher auf dem Stehplatz trug schwarze Kunstlederjacke und Jeans, trank vier Becher Bier und rief, wenn einer der Schwarz-Weißen gefoult wurde, „Härter werden!“. Die Kurve als sangesfreudiger Fanklub-Ballungsort in heutiger Form existierte noch nicht, als beliebter Fangesang sollte sich – in Abwandlung an den Schlachtgesang für das ÖFB-Nationalteam – „Immer wieder SK Sturm“ etablieren. Freilich auch oft gehört: „Schiri, du Oaschloch“ oder verbale Unfreundlichkeiten wie „Tragts ihn aussi, bevor er zum Stinken anfangt“ immer dann, wenn sich ein gegnerischer Spieler nach einem Foul am Boden krümmte. Nein, jugendfrei und familienfreundlich war der Gruabn-Besuch nicht wirklich. Weiblich ist die Gruabn nur im Artikel. Sonst: Eine Bastion männlicher Fußballleidenschaft. Hart und auch nicht wirklich herzlich. Wobei: Eine gewisse Grund-Solidarität gab es mit Kindern („Geh’ loss den Burli do obi, damit er wos sicht.“). Die Zahl der Frauen, die Sturm-Heimspiele besuchten, stieg mit der Übersiedlung in das Arnold-Schwarzenegger-Stadion 1997 jedenfalls markant an. Verständlich. Nicht nur wegen der WC-Bedingungen.

Die Gruabn in subjektiven Erinnerungen: Verbale Scharmützel zwischen den Studierenden, die ihre Gratisplätze auf dem Studenten-Hochhaus am Hafnerriegel sichtlich genossen und Papierflieger auf jene Sturm-Fans segeln ließen, die im kleinen Nordsektor standen und – für eine weit schlechtere Sicht – Eintritt zahlen mussten: Soziale Ungerechtigkeit regt eben auf. Dass im Nordsektor auch der Gästesektor untergebracht war, ist aus heutiger Sicht nahezu undenkbar. Bestenfalls bei Spielen gegen Rapid trennten einige wenige Polizisten die unterschiedlichen Fangruppen. Regen bei Meisterschaftsspielen pflegte Missstimmungen auf dem Stehplatz auszulösen: „Obi mit’m Schirm! Bist aus Zucker?“ Aufgespannte Schirme verdeckten nämlich das bei Massenbesuch ohnehin schon eingeschränkte Sichtfeld. Massenbesuch? In dem für 11.000 Personen konzipierten Stadion konnten mehr als 14.000 Menschen Platz finden. Oder eben auch nicht.

Den ganzen Text lesen Sie im neuen SturmEcho Nr. 349.

 

Inhalt

Kunstschüsse

Die Erste

James Jeggo im Interview

Problembehr (Kolumne)

Der Kader 2017/18

Team-Ärztin Christina Köppel-Klepp im Porträt

Sportklub Sturm

Präsident Christian Jauk im Interview

Vorstandsetage (Kolumne)

Sturms neue Medien

Sponsor Lounge: Bemer International AG   

Sturm & Drang

Amateure: Personal Coach Günther Neukirchner im Interview

An der Outlinie notiert (Kolumne)

Damen: Emily Cancienne im Porträt

Fankurve

Kurvendiskussion (Kolumne)

Mitgliedergeburtstage

Wir sind Sturm: „Gruabn-Initiative“

Schwarzmarkt

Rückspiel

Das magische Dreieck: Weltfußballkulturerbe

Mythos Gruabn: Die Faszination des Erdigen

Gerhard Roths Erinnerungen an den Sturm-Platz

Statistik: Top-Torjäger in der Gruabn

Seitenwechsel (Kolumne)

Protokoll: Die riesige Überziehfahne aus der Gruabn

Schwarz-weiße Familienchronik

Schlusspfiff