Multimedia - 24.07.2017, 17:29

Leseproben

STURMECHO 354: Die Nord

Das druckfrische SturmEcho wirft einen Blick in die Nordkurve, hat zwei dribbelstarke Offensivspieler zu Interviews gebeten porträtiert den Leiter der sportmedizinischen Abteilung und lässt die ehemalige „Stimme des SK Sturm“ noch einmal zu Wort kommen.

Stimmung. Sie ist das Epizentrum der Fanszene: die Nord. In der ausführlichen Coverstory mit exklusivem Bildmaterial wirft das SturmEcho einen Blick hinter die Kulissen und macht sich auf die Suche nach dem Kern der Leidenschaft und Begeisterung. In einem Interview kommt zudem Roman Horak, der seit Jahren die Fanszenen der heimischen Fußballklubs erforscht, zu Wort.

Fortsetzung einer Erfolgsstory. Georgier und der SK Sturm – das hat schon immer gepasst. So auch diesmal! Wendig, trickreich, dribbelstark: Teamspieler Otar Kiteishvili wusste in seinen ersten Partien für den SK Sturm zu überzeugen. Im Interview spricht der Sommerzugang über sein Verständnis für Fußball, seine Heimat und seine ersten Monate in Graz. 

Immer fit. Bernd Prorok, Leiter der sportmedizinischen Abteilung des SK Sturm, weiß, wie er seinen Fußballer-Jungs fit hält. Und das, obwohl er eigentlich vom Radsport kommt und einst selbst im Renntempo von Kairo nach Kapstadt radelte.

Wieselflink. Michael John Lema sorgt im Offensivspiel bei den SK Sturm Graz Amateuren stets für Gefahr. Auf den Straßen Tansanias das Fußballspielen gelernt, überzeugt er heute mit Schnelligkeit und Technik in der Regionalliga Mitte. Bald auch in der Bundesliga?

Die Stimme von Sturm. 22 Jahre lang war Ludwig „Luki“ Krentl der Stadionsprecher der Grazer. Im Sturm-Protokoll lässt er diese Ära nochmals Revue passieren, erinnert sich an sein erstes Spiel, ein paar Hoppalas und sein emotionales Endspiel.

Diese und 38 weitere Beiträge lesen Sie im neuen SturmEcho 354, das im SturmShop Hans-Sachs-Gasse, im Trainingszentrum Messendorf,an Spieltagen im SturmShop Liebenausowie unter shop.sksturm.aterhältlich ist.

Abos und Infos: www.sksturm.at

Inhalt
Kunstschüsse

Die Erste
Otar Kiteishvili im Interview
Seitenwechsel (Kolumne)
Reha-Trainer Bernd Prorok im Porträt
An der Outlinie notiert (Kolumne) 

Sportklub Sturm
100 Jahre Gruabn: Ein Buch entsteht
Sturms neuer Onlineshop   
Vorstandsetage (Kolumne)
Sponsor-Lounge: Fresenius Kabi   

Sturm & Drang
Amateure: Michael John Lema im Interview
Paten für die Sturm-Jugend 

Fankurve
Die Nord: Ultràlaut
Problembehr (Kolumne)
Kulturwissenschafter Roman Horak im Interview
Kurvendiskussion (Kolumne)
Wir sind Sturm: Ralf Windisch
Schwarzmarkt

Rückspiel
Das magische Dreieck: Kurven-Fauxpas
Luki Krentl im Protokoll
Schwarz-weiße Familienchronik
Schlusspfiff: Heinz Schilcher

Die Nord: Ultràlaut (Leseprobe)

Seit rund einem Vierteljahrhundert wird Sturm von einer organisierten Fanszene unterstützt. Die Kurve lebt vor, wie man zugleich vital, aufmüpfig, einflussreich und gefestigt sein kann. Und vor allem: Sie ist ein Epizentrum der Begeisterung im Stadion.

Sie rumort, sie raucht. Sie bebt und sie leuchtet. Sie trommelt, sie tobt. Sie singt und sie schunkelt, sie pfeift und sie jubelt. Die Kurve. Das Zentrum der organisierten Fankultur von Sturm Graz. Ein Epizentrum der Begeisterung. Das Refugium jener Fans, deren Zuneigung zum Verein sich nicht nur in mehr oder weniger kontinuierlichen Besuchen von Heimspielen erschöpft. Die den Spruch „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ wörtlich nehmen und spätestens am Montag mit der Vorbereitung für das kommende Match beginnen: Spruchbänder malen, Choreographien überlegen und herstellen, Auswärtsfahrten organisieren. Und noch vieles mehr. Fans, die Sturm Graz massiv in ihr Leben integrieren und ihre Leidenschaft zu einem fixen Teil der Persönlichkeit gemacht haben. „Du allein bist mein Verein, ohne Dich kann ich nicht sein, wenn ich durch die Straße geh’, singe ich Sturm Graz allez…“

Die Kurve. Sammelbecken jener 34 Sturm-Fanklubs, die derzeit auf der Vereinswebsite aufgelistet sind. Die sitzplatzbefreiten Sektoren 9 bis 13 werden vor jedem Heimspiel mit Transparenten, Fahnen, Bannern und Doppelhaltern in eine schwarz-weiße Fanlandschaft verwandelt, die ein starkes visuelles Zeichen der Zusammengehörigkeit darstellt; Schutz und Sicherheit suggeriert und die Kulisse dafür bietet, nicht bloß einem Fußballspiel beizuwohnen, sondern ein Lebensprinzip zu zelebrieren. „Im Fußballstadion feiern die Fans sich selbst“, schreibt Dirk Schümer in seinem Buch „Gott ist rund – Die Kultur des Fußballs“. Und: Das Stadion amalgiere eine Ansammlung von Monaden zur Masse. Der vielzitierte 12. Mann eines Fußballteams eben. „Unser Anspruch ist es, einen positiven Einfluss auf die Mannschaft auszuüben. Das beginnt schon, wenn die Spieler aufwärmen und kann dazu führen, dass Sturm aufgrund unserer Unterstützung ein Match noch umdrehen und gewinnen kann“, sagt Oliver Parfi, einer der führenden Köpfe und Vorsänger im Fanklub „Brigata Graz“.

Jeder lebt Sturm auf seine Weise

Parfi bezeichnet die „Nordkurve“, wie der Hort der fanatischen Schwarz-Weißen seit der stadioninternen Übersiedlung genannt wird, als „brodelnde Bereicherung“. Ein „Kurvinger“, ein Dauergast der Kurve, sei aber keinesfalls über die anderen Fans zu stellen: „Jeder lebt Sturm Graz auf andere Weise, eben auf seine oder ihre Weise.“ Sein Ding sei es eben, im Stadion zu stehen, zu singen, Sturm Graz gemeinsam mit anderen lautstark anzufeuern. Die Betonung liegt auf lautstark: „Samma schwoaz, samma weiß, samma Sturm, samma Grazer“. Der 38-Jährige will „Teil eines größeren Ganzen“ sein, mit einem konkreten Ziel vor Augen: „Sturm Graz zu helfen.“ Worin er die Besonderheiten der Sturm-Kurve sieht? „Wir haben eine große Kontinuität, die Jungen akzeptieren die Leute, die schon viel Erfahrung haben“, sagt Parfi. Über-40-Jährige seien in der Kurve keine Seltenheit. Diese Altersstruktur bewirke vielleicht auch, dass die Grazer Kurve weniger extrem als andere Kurven sei. „Viele von uns haben sehr zeitintensive Jobs, leiten Firmen oder sind viel unterwegs, andere wiederum werden stark vom Familienleben in Anspruch genommen. Wir können das gut integrieren und müssen uns nicht in eine Parallelwelt flüchten. Wenn einer nicht bei allen 18 Auswärtsfahrten dabei sein kann, geht die Welt auch nicht unter.“

Kurven polarisieren. In so mancher medialen Darstellung wird – aus Berechnung oder aus Unwissenheit – alles in einen Topf geworfen. Kurvenfankultur, Ultràs, Hooltras, Hooligans. Fehlende Differenzierung führt zu Vorurteilen. Was wiederum Ärger auslöst. Nein, natürlich sind nicht alle, die sich Ultràs nennen oder dem Ultrà-Lebensstil frönen, gewaltbereite, vereinsschädigende Personen. Ganz im Gegenteil. Die Grazer Kurve bildet einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ab, zusammengewachsen ist man auch durch Gegenwind unter dem Ex-Präsidenten Hannes Kartnig. Zwischendurch eine Begriffsdefinition: „Ultrà“ bedeutet „in höchstem Maße“, „äußerst“, „extrem“. „Ultràs sind besonders leidenschaftliche Fußballfans, die sich nicht selten als Avantgarde sehen und fasziniert sind von der Kultur des Anfeuerns“, heißt das in der Definition von Gunter A. Pilz, einem führenden Ultrà-Forscher von der Uni Hannover. Will heißen: In der Kurve kann man sich im Support total verausgaben. Verbal und körperlich. Den Alltag vergessen, die aus Beruf, Schule oder Privatleben resultierenden Probleme 90 Minuten lang zur Seite schieben. Das Fan-Dasein im Erlebnisraum Stadion verschafft nicht nur Ablenkung, sondern kann auch Sinn und Identität stiften. Die Grazer Kurve präsentiert sich als eine, die „offen ist, jüngere Fans einzubauen und versucht, den jungen AnhängerInnen Verantwortung vorzuleben“, schreibt Kathrin Wallner in ihrer Masterarbeit für die Uni Graz „Wer es nicht fühlt, wird es nicht verstehen – Ein Blick auf die Lebenswelt der Fußballfans des SK Sturm Graz“.

Das  gesamten Beitrag mit Statements weiterer Protagonisten der Kurve, von Präsident Christian Jauk und von Geschäftsfüher Sport Günter Kreissl lesen Sie im neuen SturmEcho 354.