Multimedia - 24.07.2017, 17:29

Leseproben

STURMECHO 357: MISSION SCHWARZ-WEISS

Wofür steht der SK Sturm? Welche Rolle spielt der Verein im Leben seiner Mitglieder und Fans? Wie wichtig sind die Klubfarben? Mit wissenschaftlicher Unterstützung haben über 1.000 Menschen ein Leitbild des größten Grazer Fußballklubs erarbeitet.

Siemens hat eines, Mercedes-Benz hat eines, McDonald’s natürlich auch. In der Wirtschaft sind Unternehmensleitbilder weit verbreitet. Was hat das mit einem Sportverein, speziell mit dem SK Sturm zu tun? Unter einem Leitbild versteht man eine schriftliche Erklärung einer Organisation über ihr Selbstverständnis und ihre Grundprinzipien – also eine Selbstbeschreibung. Eine, die nach innen und außen wirken soll: Orientierung und Handlungsanleitungen für die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für Externe wiederum sollen die Grundsätze deutlich machen, wofür eine Organisation steht. Natürlich verfügt auch ein Fußballverein wie Sturm Graz über eine Mission und eine Vision. Um diese exakt zu definieren und festzuschreiben, haben die Grazer Schwarz-Weißen vor rund zwei Jahren einen groß angelegten Leitbild-Prozess gestartet. Jetzt liegt das Ergebnis vor. Grundaussage des Leitbildes: Das Selbstverständnis ist geprägt von Tradition, großer Leidenschaft und dem gemeinsamen Streben nach Erfolg sowie stetiger Weiterentwicklung.

Was auf den „09 Grundsätzen“ basiert (eine Ähnlichkeit zwischen der Zahl und dem Gründungsjahr 1909 ist durchaus beabsichtigt) und Punkte wie „Wir geben niemals auf und kämpfen mit Leidenschaft für Sturm“ beinhaltet, endet mit einem in Worte gefassten Traum: „Sturm Graz wird zu einem lebenslangen Begleiter, der einen emotionalen Beitrag leistet, das Leben in seinen Facetten besser zu verstehen, zu begreifen. Ein Sportklub, der einem Sicherheit, ein geerdetes Dasein, kurz: Heimat vermittelt und der durch das gemeinsame Erleben von Siegen und Niederlagen die soziale Kompetenz erhöht.“

Enge Kooperation mit Uni Graz

Wichtige Impulse bei der Erarbeitung des Leitbildes lieferte die Zusammenarbeit mit dem Institut für Soziologie der Universität Graz. Studierende erarbeiteten in einem Forschungspraktikum zum Abschluss des Bachelorstudiums eine soziologische Analyse der Fans des SK Sturm. Der Zeitrahmen der Arbeit umfasste das Sommersemester 2016 und das Studienjahr 2016/17, geleitet wurde das Projekt von Dieter Reicher, Sabine Haring-Mosbacher und Stefan Reichmann. Den Auftrag gaben im Namen des SK Sturm die Geschäftsführer Günter Kreissl und Thomas Tebbich sowie Vorstandsmitglied Herbert Troger, der als Organisator und Koordinator fungierte. Im Mittelpunkt der Arbeit stand die Online-Befragung von Mitgliedern und Abonnenten des SK Sturm einschließlich Anhängerklub und Fanklubs. Etwa 8.000 Leute wurden angeschrieben, die Rücklaufquote betrug rund 13 Prozent, was in der soziologischen Forschung als sehr guter Wert gilt.

Die Themen Fußball und speziell Sturm Graz sind für die universitäre Forschung kein Neuland. Das Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung hatte im Jahr 2015 etwa die Rolle der Schwarz-Weißen in den Zeiten des Ständestaats und des Nationalsozialismus untersucht. Das Fazit der Studien? Bei Sturm hatte der Verein gegenüber der Partei Vorrang. Am Institut für Soziologie sind Bezüge zum Fußball auch im Zusammenhang mit dem Begriff Leitbild kein fremdes Terrain, wie Sabine Haring-Mosbacher schildert: „Zum Thema Fußball wurden auf unserem Institut schon zahlreiche Diplomarbeiten/Masterarbeiten verfasst; da gab es also keine Berührungsängste.“ Zu den Ergebnissen merkt die Wissenschafterin an: „Besonders interessant war für mich die Frage nach den am häufigsten mit dem SK Sturm assoziierten Begriffen: Tradition mit 294 Nennungen, Leidenschaft mit 245, Schwarz-Weiß mit 221, Emotionen mit 114 und Kampfgeist mit 100. Darüber hinaus beeindruckte mich auch die große Zustimmung zur Aussage, wonach ein ,echter’ Sturm-Fan der Mannschaft ein Leben lang treu bleibt, und dass 94,5 Prozent der befragten Personen der Meinung sind, dass der SK Sturm die beste Fan-Gemeinde im österreichischen Fußball hat.“ Eine Aussage erreichte eine nahezu hundertprozentige Zustimmung: „Es ist mir wichtig, dass die Vereinsfarben erhalten werden.“

Diese und 38 weitere Beiträge lesen Sie im neuen SturmEcho 356, das in den SturmShops sowie unter shop.sksturm.at erhältlich ist.

INHALT

Kunstschüsse

Die Erste

Bekim Balaj im Interview
Problembehr (Kolumne)
Günter Kreissl über Transferzeiten und Ziele
Videoanalyst Paul Pajduch im Porträt

Sportklub Sturm

Mission Schwarz-Weiß
Das Leitbild des SK Sturm
Vorstandsetage (Kolumne)
Sponsor-Lounge: Österreichische Lotterien

Sturm & Drang

Amateure: Vincent Trummer im Interview
Frauen: Akademie für talentierte Spielerinnen

Fankurve

Wir sind Sturm!: Thomas Seidl
Kurvendiskussion (Kolumne)
Schwarzmarkt

Rückspiel

Legende Hans Schabus im Protokoll
Schwarz-weiße Familienchronik
Serie: 110 Jahre Sturm
Schlusspfiff: Das Prachtspiel