Kampfmannschaft - 11.04.2018, 05:00

Der magische Ostermontag 1998

20 Jahre nach dem ersten Meistertitel blicken die Helden von damals zurück – und sehen sich diesen Samstag wieder

Der 13. April 1998 bleibt in der steirischen Fußballgeschichte auf ewig ein magisches Datum. An diesem Tag, einem Ostermontag, hat der SK Puntigamer Sturm Graz mit einem 5:0-Heimsieg gegen die Wiener Austria den ersten Meistertitel in der Klubgeschichte, den ersten Titel für einen steirischen Klub, fixieren können. Diese Woche mehrt sich dieser Jubeltag zum 20. Mal. Was rund um das Match gegen den SV Mattersburg – mit vielen Helden von damals – gefeiert wird. Erst steigt eine Autogrammstunde um 14.30 Uhr auf dem Vorplatz, um etwa 15.30 Uhr werden die Meisterkicker 1998 auf dem Stadionrasen geehrt.

Trainer Ivan Osim in einer für ihn so typischen Pose.

19 Punkte Vorsprung vor dem GAK

Der 13. April 1998, Ostermontag, 14.500 enthusiastische Fans im wie damals so oft ausverkauften Schwarzenegger-Stadion, wie es in dieser Zeit noch genannt wurde. Auf dem Programm stand das Match zwischen dem SK Puntigamer Sturm Graz und dem FK Austria Wien. Und auf dem Spiel stand nicht mehr und nicht weniger als der erste Meistertitel für den SK Sturm. Vor der 29. Bundesligarunde hatte Sturm 67 Zähler auf dem Konto, der GAK als erster Verfolger hielt bei 48 Punkten. Die Austria war zu dem Zeitpunkt Siebenter mit 37 Zählern. Mit einem Sieg konnte sich Sturm bereits sieben Runden vor dem Meisterschaftsende erstmals zum Meister krönen.

Schupp und Popovic (r.) jubeln.

Vor dem Match gab es noch immer Zweifler

Trotz des enormen Vorsprungs gab es vor dem Spiel noch Zweifler, hatte Sturm gegen die Austria doch keine gute Saisonbilanz vorzuweisen. "Wir haben gegen alle anderen Bundesligamannschaften in der Saison 1997/98 gewinnen können, nur gegen die Austria haben wir davor dreimal Unentschieden gespielt. Und da haben halt manche Leute geglaubt, dass es an diesem 13. April 1998 wieder nicht reichen würde", erinnert sich Publikumsliebling Ranko Popovic, der ja in Indien als Trainer tätig ist und der derzeit in seiner neuen Heimat Spanien urlaubt, aber diesen Samstag wie viele seiner damaligen Kollegen beim Spiel gegen den SV Mattersburg in Graz live dabei sein wird.

Die schwarz-weiße Jubeltraube.

Reinmayr eröffnete den Torreigen

Doch an diesem Ostermontag ließ Sturm nichts mehr anbrennen und schrieb Klub- und weiß-grüne Sportgeschichte. Mit einem klaren 5:0-Sieg sicherten sich die Schwarz-Weißen den ersten Meistertitel in der Vereinsgeschichte und den ersten für die Steiermark. Ein unveresslicher Tag für jeden echten Schwoazen, ein Datum, dass in der Herzen der Fans fest verankert ist. Hannes Reinmayr, Drittel des legendären magischen Dreiecks Haas-Vastic-Reinmayr, war es, der den Torreigen in der 35. Minute mit dem Führungstreffer eröffnete. "Ich weiß es noch gut, ich habe den Ball direkt übernommen und ins Eck geschoben." Reinmayr wird diesen Samstag ebenfalls im Stadion sein. Um dabei sein zu können, wenn sich die Legenden in Liebenau wiedersehen, hat der Trainer des SV Tobelbad das Spiel seines Unterligaklubs extra auf Sonntag verschoben.

"Ich hab den Trainer gefragt, ob ich am Wochenende frei bekommen könnte. Darauf hat er gemeint ’Machen Sie doch, was Sie wollen‘"

Markus Schupp

"Machen Sie doch, was Sie wollen!"

Nur vier Minuten später erhöhte Mario Haas auf 2:0, Liebenau stand Kopf, die ersten La-Ola-Wellen gingen durch die bebende Arena. Wie er seinen Treffer gemacht hat, weiß der "Bomber" heute gar nicht mehr so genau. "Aber es war ein perfekter Abend, ein sehr schönes Erlebnis, alle waren in Feierlaune. Ja, wir auch, nach diesem Spiel haben wir es richtig krachen lassen“, schmunzelt Haas, wenn er an dieses außergewöhnliche Spiel zurückdenkt. Das 3:0 legte Markus Schupp in der 53. Minute nach. "Was war das für ein schönes Match, noch dazu ist mir ein Tor gelungen. Ich kann mich deshalb besonders gut daran erinnern, weil ich Trainer Ivan Osim nach dem Spiel und nach langem Zögern gefragt habe, ob ich nicht für ein Wochenende nach Deutschland fahren dürfte zur Taufe meiner Tochter. Mir war klar, dass ich so ein Spiel versäumen würde, Osim hat aber nur gesagt "Machen Sie doch, was sie wollen!" Der in Graz lebende Sportmanager Markus Schupp wird am Samstag ebenfalls im Stadion sein.

Publikumsliebling Ranko Popovic und Gili Prilasnig (r.).

Ein Pass im Stile Beckenbauers

Tomi Kocijan (82.) und Gilbert Prilasnig (88.) sorgten für die beiden letzten Tore an diesem Abend, der nahtlos in ein unvergessliches Fest überging. "Nach dem 3:0 ist es nur noch drunter und drüber gegangen, die Fans haben sich überhaupt nicht mehr halten können. Das ganze Stadion verwandelte sich in ein einziges Tollhaus", blickt Reinmayr noch einmal 20 Jahre zurück. Auch Ranko Popovic hat noch ein Schmankerl parat. "Ich weiß noch, ich habe in diesem Spiel einen weiten Pass mit dem Außenrist genau auf Mario Haas geschlagen. Markus Schupp hat gemeint, das war genauso wie einst bei Franz Beckenbauer und hat mich seitdem nur noch Franzl genannt."

Roman Mählich mit der Meisterschalenattrappe.

Der 14. April 2018 im Zeichen des ersten Titels

Wenn diesen Samstag der SV Mattersburg in Graz zu Gast sein wird, steht das Spiel gegen die Burgenländer ganz im Zeichen des Jubiläums "20 Jahre nach dem ersten Meistertitel". Angepfiffen wird die Partie um 16:00 Uhr. Schon um 14:30 Uhr werden sich die Helden von einst vor dem Stadion ein Stelldichein geben und Autogrammwünsche der Fans erfüllen (beim mobilen Sturm-Fanshop nach der Abfahrt in die Tiefgarage). Um 15:45 Uhr werden Reinmayr, Popovic und Kollegen schließlich auf dem Stadionrasen gebeten, wo sie für jene Heldentaten geehrt werden, die nunmehr 20 Jahre zurück liegen. Mehr als ein Dutzend Spieler aus der Meistermannschaft haben ihr Kommen zugesagt, selbst Jahrhunderttrainer Ivan Osim nimmt den Weg von Sarajevo nach Graz auf sich, um diesem denkwürdigen Ereignis beiwohnen zu können – und natürlich, um seine Buben wieder zu sehen. Auch der Dresscode für alle Fans steht fest: Kommt mit schwarz-weißem Trikot, Schal und Fahne - am besten aus der Meisterzeit.

Bundesliga 1997/98, 29. Runde
13.04.1998, 18:00 Uhr
Schwarzenegger-Stadion, 14.500 Zuschauer

Sturm Graz 5:0 Austria Wien (2:0)

SK Sturm: Kazimierz Sidorczuk; Franco Foda, Darko Milanic, Ranko Popovic (76. Mario Posch), Gilbert Prilasnig; Roman Mählich, Hannes Reinmayr, Markus Schopp (76. Günter Neukirchner), Markus Schupp; Ivica Vastic, Mario Haas (76. Tomislav Kocijan).

Tore: 1:0 Reinmayr (35.), 2:0 Haas (39.), 3:0 Schupp (53.), 4:0 Kocijan (82.), 5:0 Prilasnig (88.)

Coach: Ivica Osim