Kampfmannschaft - 22.12.2020, 08:49

Hungrig und bissig

Sandro Ingolitsch im Porträt

Am Samstag ist für Sandro Ingolitsch, wie für ganz Sturm, eine starke Herbstsaison zu Ende gegangen. Dem einstigen Youth League-Sieger schmeckt der Erfolg bereits "am Anfang unserer Reise". Nun freut er sich auf ein paar erholsame Tage.

Für Sandro Ingolitsch und den SK Sturm läuft es in der Liga bislang richtig gut.

"Arbeiten einfach sehr gut zusammen"

Völlig neu zusammengewürfelt ist die Abwehr des SK Puntigamer Sturm Graz und sie hat sich auf Anhieb als Kniffel herausgestellt. Mit nur sechs kassierten Toren in 14 Pflichtspielen verfügt Sturm über die beste Defensive aller Teams der tipico Bundesliga. Das ist nicht nur ein Top-Wert, sondern auch bemerkenswert, hat die zuletzt stets unveränderte Abwehrreihe vor dieser Saison doch noch nie zusammengespielt. Einer aus dieser Reihe ist Sandro Ingolitsch, der im Sommer von St. Pölten zu Sturm gewechselt ist. "Ich bin mit dem Ziel nach Graz gekommen, so viele Minuten wie möglich zu spielen. Mir persönlich ist sehr wichtig, dass mir der Trainer das Vertrauen schenkt. Dieses versuche ich mit guten Leistungen zurückzuzahlen", betont Ingolitsch. Auf der rechten Abwehrseite war er im Herbst gesetzt, mit seinen Kollegen harmonierte er bestens: "Wir arbeiten als Team einfach sehr gut zusammen. Den Spielstil, den das Trainerteam von uns einfordert, haben wir schon gut verinnerlicht. Wir werden von Woche zu Woche besser und verstehen uns im Spiel immer mehr – das ist auch der Grund für den guten Herbst", erklärt der 23-Jährige. In der Vorbereitung habe man schon noch Abstimmungsprobleme gehabt, aber mittlerweile wisse einfach jeder, was der Mitspieler macht – und: "Wenn einer einen Fehler macht, bessert ihn der andere sofort aus."

Der Youth League-Titel als Motivator

Der ehemalige Nachwuchsteamspieler kann mit seinem Herbst zufrieden sein. Und er ist es über weite Strecken auch: "Ich glaube, dass ich bislang eine solide Saison gespielt und gute Leistungen gezeigt habe. Ich weiß aber auch, dass ich noch mehr kann. Deswegen werde ich weiter hart an mir arbeiten, ich möchte mich noch mehr in die Offensive einbringen." Für dieses Vorhaben kommt dem gebürtigen Salzburger die Zeit in der Akademie des FC Red Bull Salzburg wohl zugute. Schließlich ist es Teil der Philosophie der Bullen, dass sie ihr Spiel stets mit hochstehenden Außenverteidigern, die sich in den Angriff miteinbinden, aufziehen. "Unser aktueller Spielstil ähnelt jenem von Salzburg. Da habe ich in der Akademie und auch beim FC Liefering sicher einiges mitnehmen können, was mir auch jetzt noch zugutekommen kann. Das ist auch ein Grund, warum ich zu Sturm wollte. Der Spielstil passt zu mir." In der Saison 2016/17 feierte Ingolitsch den bisher größten Erfolg seiner Karriere. Mit der U19 der Salzburger gewann er die UEFA Youth League, die Champions League der Jungen. "Das war ein riesiger Moment. Wir haben uns nicht nur mit den Top-Talenten Europas messen können, sondern auch gesehen, dass wir mit allen mithalten und sie auch schlagen können." Mit Jadon Sancho – damals Manchester City, heute Borussia Dortmund – und Joao Felix – damals Benfica Lissabon, heute Atletico Madrid – hatte der Schwarzacher namhafte Gegenspieler. "Diese Duelle haben mich enorm weitergebracht. Außerdem war der Titelgewinn eine zusätzliche Motivation, immer weiter Gas zu geben, um hoffentlich auch im Erwachsenenfußball europäisch spielen zu können."

"Die Siege geben uns Selbstvertrauen und Glücksgefühle. Wenn man sich nach dem Spiel in die Arme fallen und feiern kann, ist das das Schönste überhaupt."

Sandro Ingolitsch

Die Lust auf das internationale Geschäft ist da

Wirft man einen Blick auf die aktuelle Tabelle der tipico Bundesliga, scheint ein internationaler Startplatz nicht unmöglich. Anders formuliert: Stand Dezember 2020 sieht es sehr gut aus, Sturm ist nach Verlustpunkten sogar Tabellenführer. Die Meisterschaft ist allerdings noch lange nicht vorbei. "Natürlich stehen wir sehr weit oben, das haben wohl nur wenige gedacht. Wir beschäftigen uns aber nur wenig damit, sondern schauen viel mehr, dass wir unser Spiel immer weiter verbessern und uns weiterentwickeln. Aber klar: Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich nicht in Europa spielen will. Das ist sicher unser aller Ziel", erklärt Sandro Ingolitsch, um den Ball aber auch gleich wieder flach zu halten: "Wir müssen uns bewusst sein, dass wir uns erst am Anfang unserer Reise befinden. Es können auch schlechtere Zeiten kommen. Wir sind auf alles vorbereitet." Momentan läuft es aber zweifelsfrei richtig gut bei den Schwarz-Weißen. Nur ein Pflichtspiel verloren die Grazer im Herbst bislang, neun der letzten zehn Pflichtspiele konnten sie allesamt für sich entscheiden. Die Statistiken lassen Sturm-Herzen höherschlagen. Auch das von Ingolitsch. "Die Siege geben uns Selbstvertrauen und Glücksgefühle. Wenn man sich nach dem Spiel in die Arme fallen und feiern kann, ist das das Schönste überhaupt. Wir hoffen natürlich, dass es so weitergeht. Deswegen bleiben wir hungrig und bissig", so der Defensivmann. Der Herbst war schon einmal sehr beeindruckend. Auch dank Sandro Ingolitsch. Jetzt ist aber erst einmal etwas Ruhe angesagt: "Ich freue mich auf Weihnachten, die Zeit im Kreise meiner engsten Familie und etwas Erholung. Wir haben einen tollen Herbst gespielt und wollen im Jänner dort weitermachen, wo wir jetzt aufgehört haben."