- 23.02.2021, 08:21

"Alter spielt keine Rolle"

Im Porträt: Jon Gorenc-Stankovic

Jon Gorenc-Stankovic verteidigt mit Premier League-Erfahrung und spuckt keine großen Töne, trifft aber stets die richtigen.

Jon Gorenc-Stankovic ist in kürzester Zeit zum schwarz-weißen Leistungsträger geworden.

In der Ruhe liegt die Kraft

Im Dress des SK Puntigamer Sturm Graz hat der Slowene erst 20 Spiele absolviert. Am Platz aber wirkt Jon Gorenc-Stankovic wie ein schwarz-weißes Urgestein. Der Defensivspieler spielt souverän, abgebrüht und wurde vom Fußballgott mit einer Puntigamer-Bierruhe beschenkt. Hektik scheint im Wortschatz des Slowenen, der bei der 1:2-Niederlage gegen den RZ Pellets WAC verletzungsbedingt fehlte, eine stark untergeordnete Rolle zu spielen. Auch abseits des Platzes. Wohl auch, weil er mit seinen 25 Jahren im Fußball schon viel erlebt hat. Gorenc-Stankovic schaffte es über die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund drei Mal in den Bundesliga-Kader der Schwarz-Gelben, wechselte zur Saison 2016/17 ins Mutterland des Fußballs zum Zweitligisten Huddersfield Town.

Höhen und Tiefen in England

Für die Terriers lief er 26 Mal in der Championship und 11 Mal in der Premier League auf. Negativerlebnis: ein Kreuzbandriss, der ihm praktisch die gesamte Saison 2017/18 kostete. Aber kein Regen ohne Regenbogen: Ausgerechnet im ersten Liga-Spiel nach seiner schweren Verletzung – es war dies zugleich sein Debüt in der Premiere League – durfte Jon Gorenc-Stankovic am 19. August 2018 sogar in einer der besten Ligen der Welt über einen Treffer jubeln. Wobei: Die offensichtliche Freude fiel verhalten aus. „Wir haben gegen Manchester City 1:6 verloren, ich habe das zwischenzeitliche 1:3 erzielt. Da konnte ich leider nicht viel jubeln. Dennoch werde ich diesen Moment nie vergessen, weil ich einer der ersten Slowenen gewesen bin, die in der Premier League getroffen haben“, erinnert sich Gorenc-Stankovic zurück. Aus seiner Zeit in Deutschland und England konnte er sehr viel für seine weitere Karriere mitnehmen: „Ich habe in Dortmund und bei Huddersfield mit den besten und gegen die besten Spieler der Welt gespielt.“

"Am Feld werde ich nie aufhören zu glauben, auch wenn wir in der 90. Minuten 0:2 in Rückstand sind."

Jon Gorenc-Stankovic

Im Eiltempo zum Führungsspieler

Es ist sicherlich auch seiner internationalen Erfahrung zuzuschreiben, dass der Defensivmann mit seinen 25 Jahren bereits äußerst routiniert wirkt. „Alter spielt keine Rolle. Du kannst jung und gut sein, du kannst aber auch alt und nicht gut sein“, sieht Gorenc-Stankovic die Sache pragmatisch und führt aus: „Ich spiele Fußball, weil ich es gerne mache. Am Feld werde ich nie aufhören zu glauben, auch wenn wir in der 90. Minuten 0:2 in Rückstand sind. Und wenn wir 2:0 vorne sind, will ich, dass wir noch das 3:0 machen. Das ist meine Einstellung, so bin ich.“ Mit dieser Herangehensweise hat sich Sturms großgewachsene Nummer vier, dessen Vertrag bis Sommer 2023 läuft, binnen kürzester Zeit zur Führungsfigur gemausert. Innerhalb der Mannschaft ist der Mann aus Ljubljana, der auch Vizekapitän ist, mehr als anerkannt. „Ich habe früh gemerkt, dass ich von den Teamkollegen mit sehr viel Respekt behandelt werde, dann hat sich das schnell so entwickelt“, blickte er Anfang des Jahres zurück auf den letzten Sommer.

Der kopfballstarke Slowene erzielte in 20 Spielen bereits drei Treffer.

Das Momentum soll zurückkehren

Spricht man mit Gorenc-Stankovic, merkt man, dass erfolgreicher Fußball bei ihm ganz oben steht: „Ich lege den Fokus auf mich selbst und nicht auf das, was rundherum geschrieben und gesprochen wird. Mir ist wichtig, dass wir gut unterwegs sind und aus jedem Spiel lernen – egal ob Sieg oder Niederlage.“ Nach dem beinahe makellosen Herbst kam im schwarz-weißen Frühjahr auch der eine oder andere Dämpfer hinzu. Freilich: Grund zur Sorge besteht keinesfalls, stehen die Steirer mit der nach wie vor besten Defensive der Liga auf Platz vier der tipico Bundesliga und zudem im Halbfinale des UNIQA ÖFB Cups. „Im Herbst hat praktisch alles gepasst, jetzt läuft nicht jede Aktion für uns“, spricht der kopfballstarke Defensivmann das hin und wieder fehlende Momentum an. Man müsse aber nur fokussiert weiterarbeiten, dann käme man wieder in die aus dem Herbst bekannten Phasen.

Team-Träume

Und dann kommen wohl auch die nächsten Nationalteam-Einsätze für Gorenc-Stankovic. Im vergangenen Oktober lief er das erste und bislang einzige Mal für das A-Team Sloweniens auf und gewann mit Rot-Blau-Weiß 4:0 gegen San Marino. „Ich will zuerst in Graz so gut wie möglich spielen, dann werden weitere Einsätze im Nationalteam schon kommen. Wenn ich bei Sturm gut bin, habe ich mehr Chancen dabei zu sein. Und das ist schließlich immer ein besonderes Gefühl.“ Bei den Steirern läuft es für den zuletzt stets als Sechser vor der Abwehr aufgebotenen Teamspieler. Und auch die Meistergruppe kann der SK Sturm nur noch mit einer kompletten Unserie in den letzten vier Spielen des Grunddurchgangs verbocken. „Die Top-6 waren immer uns Ziel. Wir sind gut unterwegs und wenn wir so weitermachen wie bisher, mache ich mir keine Sorgen“, sieht der Slowene die Ausgangslage optimistisch.