Sonstiges - 20.07.2018, 11:51

Wir trauern um Heinz Schilcher

Sturm-Legende im 72. Lebensjahr verstorben

Am Freitag, den 20. Juli 2018 schloss Sturm-Legende Heinz Schilcher nach schwerer Krankheit für immer die Augen. Osim und Schilcher, sie stehen für immer als Synonym für eine großartige Sturm-Ära.

Heinz Schilcher, der am 14. April 71 Jahre alt wurde, war als jener Sturm-Sportdirektor, der Ivica Osim zum Klub brachte, der 16 Jahre lang die sportlichen Geschicke Sturms diktierte und der sechs Jahre lang als Spieler Erfolge mit Sturm feierte, eine Schlüsselfigur der Sturm-Geschichte.

Schilcher stammte aus Fohnsdorf, wo er mit dem Dichter und Autor Reinhard P. Gruber die Schulbank drückte. 1965 wechselte er nach Graz um Chemie zu studieren und heuerte beim GAK an. Im Sommer 1969 war der Transfer des 22jährigen Schilcher von den Rotjacken zu Sturm der große Aufreger. Gerdi Springer war seit 1967 Sturmtrainer und er warf bald ein begieriges Auge auf den großen und bulligen defensiven Mittelfeldspieler. Nach langwierigen Verhandlungen, die vor allem im Haus des damaligen Sturm-Vizepräsidenten Heribert Matzer geführt wurden, wechselte Schilcher am 18. Juli 1969 – vor genau 49 Jahren und drei Tage vor der Mondlandung – bei Sturm. Um eine Ablösesumme von kolportierten 370.000 Schilling.

In der Ära Springer wurde Heinz Schilcher mit Sturm Dritter, im Herbst 1970 war er entscheidend an den Messestädte-Cup-Erfolgen gegen Arsenal London beteiligt.

Die damalige Erfolgstruppe: Grloci (Dr.Paulitsch, Benko); Franz Reiter, Berek, Willi Huberts; Fuchs (Ruß), Schilcher; Hölzl, Murlasits, Wagner, Zamut sowie natürlich Helmut Huberts, Kaiser, Peintinger.

1971 Wechsel zu Ajax Amsterdam

Am 18. Juni 1971 wurde der junge Hans Gert Sturm-Präsident. Er war ein cleverer Verhandler – am 23. Juni einigte er sich mit dem Spitzenklub Ajax Amsterdam auf einen Transfer von Heinz Schilcher in die Niederlande. Bei Sturm klingelte ein Geldsegen von einer Million Schilling in der Klubkasse, damals ein Riesenbetrag. Der erste Millionentransfer Sturms in der Klubgeschichte.

Bei Ajax lief Schilcher mit Johan Neeskens, der sein Freund wurde und mit Johan Cruyff auf. Er wurde niederländischer Meister 1972 und 1973 und Pokalsieger. Auch den Europapokal der Landesmeister gewann er mit Ajax 1972 und 1973. Leopold Stastny berief ihn 1973 ins Nationalteam, wo er gegen Holland einen 1:0-Sieg feierte. In Amsterdam lernte Heinz Schilcher seine Elin kennen, die ihm bis zu ihrem Tod im vergangenen Jahr eine geliebte Ehepartnerin war.

1974 wechselte Schilcher nach Frankreich zu Paris FC und anschließend für zwei Jahre zu Olympique Nimes. Mit Racing Strasbourg wurde er als Spielertrainer 1977 Meister der Division 2 – und er spielte dort mit Ivica Osim in einer Mannschaft.

1978 bis 1982 wieder Sturm

Im Sommer 1978 bestürmte Trainer Dr. Günter Paulitsch seinen Präsidenten Franz Gady: „Hol mir bitte den Schilcher Heinz, er ist 31 und will wieder nach Graz“. Vier Jahre lang war Schilcher im Mittelfeld und als Abwehrchef eine Stütze. UEFA-Cup, Herbstmeister 1980 und knapp verpasster Meistertitel 1981 stehen auf der Habenseite. Außerdem holte er für Sturm den Mittelfeld-Regisseur Marcel Boyron nach Graz, mit dem er in Nimes in einer Mannschaft stand.

Tennisparadies und Sportdirektor

Gemeinsam mit seiner Elin und mit dem älteren Sohn Mikis baute Heinz Schilcher im Tennisparadies in Straßgang ein Sportgeschäft auf und wirkte als Scout und Berater für Ajax.

Im Dezember 1992 überredete ihn der neue Sturm-Präsident Hannes Kartnig zur Übernahme des Sportdirektor-Jobs bei Sturm. Und so ist und bleibt Heinz Schilcher ganz eng mit dem Aufstieg Sturms ins heimische Spitzenfeld, zu zwei Meistertiteln, drei Pokalsiegen und schließlich drei Champions-League-Teilnahmen verbunden. Sein allergrößter Verdienst aber wird wohl für alle Zeiten das Engagement von Ivica Osim bei Sturm bleiben. Ohne Schilcher hätte es niemals einen Osim bei Sturm gegeben – und Osim schaffte mit Heinz Schilcher an seiner Seite das Sturm-Wunder.

Es waren traumhafte Jahre, die Schilcher beginnend mit seiner Spielerzeit in Graz bis zum Champions-League-Höhepunkt, dem Einzug in die Zwischenrunde mit dem 2:2 in Istanbul, erleben durfte. Immer mit Elin an seiner Seite, die sich rührend um die Spielerfrauen kümmerte.

Die letzten Jahre forderten viel von ihm. Zwar wirkte er noch immer als Ajax –Scout für Südost-Europa und führte sein Geschäft. Doch der Prozess um den Sturm-Konkurs, der ihn härter als verdient traf, die schwere Erkrankung und der Tod seiner Elin, die eigene Krankheit nagten an ihm. Heinz trug alles mit ungeheurer Stärke und ohne zu klagen. Er freute sich im vergangen Mai über die Ernennung zur Sturm-Legende und kam gerne zu Legenden-Treffen.

Lieber Heinz, die Sturm-Familie wird dich immer in bester Erinnerung behalten und dir für dein Wirken dankbar sein.


Sturm-Präsident Christian Jauk zum Tod von Heinz Schilcher

Wir verneigen uns vor dem Mann, der Ivica Osim zu Sturm brachte.

Tief bewegt hat die Sturmfamilie die Nachricht vom allzu frühen Tod unseres Heinz Schilcher erfahren. Mit ihm verbinden wir Schwarzweißen nicht nur sportlich schöne Zeiten in den aktiven Jahren bei Sturm sondern auch die Bewunderung an einen großen Spieler von Ajax Amsterdam. Heinz Schilcher war es, der 1994 Ivica Osim nach Graz zu Sturm brachte, mit dem ihn eine Freundschaft aus der gemeinsamen Straßburger Zeit verband.

Diese Tat allein macht Heinz Schilcher unsterblich, denn damit öffnete er als Sportdirektor die Tür zu den Meistertiteln und Champions-League-Erfolgen in Schwarzweiß bis zur Jahrtausendwende.

Seine persönliche Tragik der letzten Jahre, als er in den Prozess um den Sturm-Konkurs hineingezogen wurde und schließlich den Tod seiner geliebten Frau Elin zu verkraften hatte, trug er stets mit Würde und ohne zu klagen.

Bis zuletzt haben wir vom SK Sturm Heinz Schilcher  im Zuge der Legendenehrung und im VIP-Club gewürdigt. Gerne begrüßten wir ihn bei der Legenden-Ehrung im vergangenen Mai und bei diversen Spielen im VIP-Club. Ich durfte mit ihm viele spannende Gespräche über unseren Klub und seine Karriere führen.

Die Sturmfamilie ist betroffen über seinen Tod, mit dem eine großartige Sportlerkarriere mit vielen Höhepunkten, aber auch mit bitteren Stunden in den letzten Jahren, ihr Ende gefunden hat. Wir verneigen uns vor Heinz Schilcher, ein Ehrenplatz in der Sturm-Geschichte ist ihm sicher.

Christian Jauk