- 09.10.2019, 12:41

"Für den Rasen initiierten wir eine Spendenaktion"

Funktionär Herwig Brandstetter über den "Mythos Gruabn"

Im schwarz-weißen Jubiläumsbuch "Mythos Gruabn - 100 Jahre Sturmplatz" sind neben historischen Exkursen und einzigartigen Fotos aus vergangenen Zeiten auch viele persönliche Erinnerungen von Spielern, Gegnern, Funktionären etc. zu finden. Wir werfen mit ausgewählten Protokollen, die allesamt in der von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur zum Fußballbuch des Jahres nominierten Publikation zu finden sind, einen Blick zurück. Diesmal erinnert sich der langjährige Funktionär Herwig Brandstetter an die Gruabn.

"Der Sturmplatz befand sich Mitte der 1950er-Jahre in einem schlechten Zustand. Er hatte keine Drainage, Gras gab es nur an den Randbereichen, alles andere war Lösch-Schlacke, die sich bei Regen oder Schnee in einen Morast, bei Trockenheit in eine Staubwüste verwandelte. Immer wieder zeigte mir Hans Gmeindl seine von der Schlacke gezeichneten Waden und übte damit Kritik am Platz. Es herrschten Zustände, die auch der Führung der Staatsliga nicht verborgen blieben. Wir wurden schließlich angehalten, den Platz endlich auf einen modernen Stand zu bringen.

Nachdem sich die Stadt Graz dazu verpflichtet hatte, unseren auf unbestimmte Zeit abgeschlossenen Sturmplatz-Pachtvertrag innerhalb der nächsten 15 Jahre nicht zu kündigen, erhielten wir von der Liga Toto-Mittel in Höhe von 230.000 Schilling sowie 30.000 Schilling an anfallenden Zinsen und konnten im Juli 1958 mit den Arbeiten beginnen. Eine Gartenbaufirma legte zuerst eine Ringdrainage, die in den Kanal an der Südwestecke der Anlage eingeleitet wurde. Dann wurde auf einer Schotterschicht Humuserde aufgetragen und auf dieser wiederum 38.000 Rasenziegel, die aus dem Burgenland geliefert und mit einer eigenen Feldbahn aufgebracht wurden. Für den Rasen initiierten wir eine eigene Spendenaktion. Im Oktober 1958 waren die Arbeiten grundsätzlich abgeschlossen, aber im Frühjahr musste die Rasendecke erst richtig anwachsen. Für den Rasen wurde eigens ein Motorrasenmäher mit Rückwärtsgang angeschafft und als Garage eine Holzhütte an der Seite der nördlichen Stehplatzrampe errichtet.

Die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Klubjubiläum im August 1959 fanden dann bereits auf dem sanierten Sturmplatz statt. Wir hatten Fallschirmspringer organisiert. Drei Springer landeten wie geplant am Spielfeld, aber einer driftete ab und ging hinter der kleinen Stehplatztribüne im Nordwesten nieder. Er erzählte mir später, dass eine Frau, die gerade am Fenster eines angrenzenden Wohnhauses stand, entsetzt aufschrie, als er an ihr vorbeisegelte. Nachdem die Polizeikapelle die steirische Landeshymne gespielt hatte, wurde das Jubiläumsturnier mit der Vienna, dem Wiener AC und Radenthein angepfiffen."

Dieses und zahlreiche weitere Protokolle lesen Sie in:

"Mythos Gruabn – 100 Jahre Sturmplatz“
Herausgegeben von Martin Behr, Herbert Troger, Christian Wiedner
Nominiert zum Fußballbuch des Jahres 2019 von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur
Martin Behr, Herbert Troger, Christian Wiedner (Hg)
336 Seiten, Hardcover
Erhältlich um EUR 34,99 (Mitglieder: EUR 29,99) in den SturmShops
sowie unter shop.sksturm.at/shop/mythos-gruabn.html

Bildtext:
Turnier zum 50-jährigen Sturm-Jubiläum, 16. August 1959: Präsident Wilhelm Schlösser am Mikrofon

Nominiert zum Fußballbuch des Jahres: "Mythos Gruabn - 100 Jahre Sturmplatz"