Sonstiges - 27.01.2019, 06:38

110 Jahre Sturm: „Der Vati war mutig“

Rückblick: 1909-1918 – Teil 2/2

Sturm stand 1914 kurz vor dem Aufstieg in die „Erstklassigkeit“, zu dem es dann aber vorerst nicht kommen sollte: Der Erste Weltkrieg hinterließ auch bei den Schwarz-Weißen seine Spuren. Von dieser Zeit handelt der zweite Teil unseres Rückblicks auf die Jahre 1909-1918.

Chroniksammlung: 110 Jahre Sturm

Mit Sturms Gründer Fritz Longin, der als Lehrer jedes Wochenende von seinem neuen Wohnort Leoben mit dem Fahrrad nach Graz zu den Spielen radelte, durften sich die Schwarz-Weißen im Frühjahr 1914 über den Gewinn der Grazer Meisterschaft der zweiten Klasse freuen.

Eines der seltenen Fotos aus der Zeit des Ersten Weltkriegs zeigt Sturm-Gründer Fritz Longin in k.u.k.-Uniform.

Der junge SK Sturm steht unter Waffen

In den Tageszeitungen dieses Frühsommers ist der bevorstehende Erste Weltkrieg alles andere als absehbar. Zwar ist hie und da von Krisen und Konflikten zu lesen, das Leben floriert allerdings und die Wirtschaft sowie die Unterhaltungsindustrie wachsen. Sturm begibt sich auf Tournee durchs heutige Kroatien und jubelt über ein Remis gegen den GAK und die zuerkannte „Erstklassigkeit“. Um in der Ersten Klasse so richtig anzukommen, muss Sturm Graz noch ein Ranglistenspiel gegen einen Wiener Klub bestreiten. Zu diesem sollte es aber nicht mehr kommen: Am 28. Juni fallen die „Schüsse von Sarajevo“, am 03. August bricht der Weltkrieg endgültig aus. Auch einige Sturm-Spieler ziehen in diesen Tagen in den Krieg. Die Presse schreibt, dass beinahe die gesamte Kampfmannschaft des „jungen SK Sturm unter Waffen steht“.

Folgenschwere Kriegsjahre

Einige Spieler überleben zum Teil schwer verwundet und kriegsinvalid, viele weitere fallen dem Krieg zum Opfer. Fritz Longin erlitt eine schwere Knieverletzung, wie sich sein Sohn Helmut Jahre später zurückerinnern sollte. „Vati war von den ersten Kriegstagen an im Einsatz und wurde in Russland von einem Scharfschützen am Knie verletzt, dennoch war er praktisch bis ans Kriegsende für das Militär tätig.“

Trotzdem hatte Fritz Longin damals eine scheinbar richtige Entscheidung getroffen, wie der Gründersohn berichtet: „Er hatte einen guten Kollegen, der ebenfalls am Knie getroffen wurde. Und der ist dann bis ans Lebensende mit einem steifen Haxen herumgegangen. Der Vati war aber so mutig und hat sich das Knie brechen lassen, so konnte er den Fuß dann zumindest zu 90 Grad abwinkeln.“

"Der Vati war so mutig und hat sich das Knie brechen lassen, so konnte er den Fuß dann zumindest zu 90 Grad abwinkeln."

Gründersohn Helmut Longin

„Der Lederball war eine Sensation!“

Sturm hält aber als einer der wenigen Klubs der alten Monarchie auch während der Kriegsjahre den Spielbetrieb aufrecht. Arthur Longin, der Bruder von Fritz, ist als Maschineningenieur nicht im Kriegseinsatz und organisiert gemeinsam mit Kollegen die Spiele.

„Arthur hat im Bezirk Jakomini gewohnt und war besonders wichtig, weil er damals für die junge Bande den ersten Lederball gehabt hat und ihn Fritz geschenkt hat. Der Lederball war damals eine Sensation, weil alle anderen damals noch mit dem Fetzenlaberl gespielt haben“, weiß Helmut Longin. Ein größeres Problem zu dieser Zeit ist es dann aber, eine geeignete Wiese zum Kicken zu finden. Der Platz in der Fröhlichgasse wird in den letzten Jahren des Weltkriegs arg in Mitleidenschaft gezogen. Am 12. November 1918 wird schlussendlich die Republik Deutsch-Österreich ausgerufen. Bereits drei Wochen später, am ersten Dezembertag, ruft Mitgründer Karl Assmann die Sturm-Mitglieder zur „ersten Versammlung nach dem Kriege“ zusammen.

Wie es in der Geschichte des SK Sturm in den Jahren 1919 bis 1929 weiterging, erfahren Sie im Februar.