Sonstiges - 21.01.2019, 11:23

110 Jahre Sturm: Am Anfang war der Ball

Rückblick: 1909-1918 – Teil 1/2

Vor 110 Jahren begann in der steirischen Landeshauptstadt eine bewegte Geschichte. Und zwar die des SK Sturm. Mit dem heutigen Tag startend werfen wir in regelmäßigen Abständen einen Blick zurück auf die prägendsten und historisch wichtigsten Momente des Vereins. Jetzt im Fokus: Die Anfänge der Schwarz-Weißen im Grazer Augarten.

Begonnen hat alles mit einem Ball. Aber nicht mit irgendeinem Ball, sondern mit dem Lederball von Fritz Longin, eines 15-jährigen Schülers, der mit seinem Bruder und seiner Mutter in der Leitnergasse nahe des Grazer Augartens lebte. Zwischen 14 und 18 Jahre sind die fußballbegeisterten Jugendlichen alt, als die Lederhaut von Fritz Longin die Kugel ist, um die sich alles dreht. Und diese rollt vor allem im Augarten, dem Eldorado der Jakominiviertel-Jungs.

Fritz Longin, der Gründer des SK Sturm.

"Es war ein wunderschöner Sonntag, ..."

Rasch sammeln sich einige Schüler und Lehrlinge um das Leder von Fritz Longin, mit dem alles begonnen hatte. Karl Assmann, Franz Wassola, Hans und Albert Kämmerer, Franz und Richard Ott, Hugo Weiß – und später Hans, Franz, Leopold, Karl und Gabriel Schönbacher sind die Ersten, die bei der Balljagd in 8010 mit von der Partie sind. Als „Vereinsheim“ dient das Häuschen der letztgenannten Brüder. Dort wird die Wäsche gewaschen, dort werden die Jungs verpflegt. Es ist schlussendlich der 01. Mai 1909, an dem die Burschen im Gasthaus Schafzahl unweit des Augartens die Gründung der Fußballmannschaft Sturm feiern. „Es war ein wunderschöner Sonntag, als wir beschlossen eine Fußballmannschaft zu gründen und sofort für einen Ball zu sammeln, denn der einzige Ball gehörte Fritz Longin. In kurzer Zeit war das Vermögen – etwa 12 Kronen – beisammen“, sollte sich Mitgründer Karl Assmann später einmal an die Anfänge zurückerinnern. Die Inspiration für den Namen holen sie sich dabei von Sturm Prag, die im Vormonat der Gründung in Graz zu Gast sind. Als Klubfarben wählen sie – wie damals bei vielen Sportvereinen üblich – Schwarz und Weiß.

"Wir besaßen einen unbeugsamen Willen, als Fußballer weiterzukommen."

Mitgründer Karl Assmann

Das "Vereinshaus" der Familie Schönbacher

Neben dem Ballbesitzer Fritz Longin ist zu Beginn vor allem die Familie Schönbacher wichtiger Bestandteil des Vereins. „Ein eigener Sportplatz war natürlich nicht vorhanden. Der Augarten war unser Kampffeld, das Schönbacher-Häuschen in der Neuholdaugasse unser Vereinsheim. Mit irdischen Gütern waren wir nicht gesegnet. Dafür aber besaßen wir eine ganz hemmungslose Sportbegeisterung, eine Freude an unseren Spielen und einen unbeugsamen Willen, als Fußballer weiterzukommen“, schreibt Karl Assmann in einer Festschrift aus dem Jahr 1934. Er ist es auch, der von 1909 bis 1911 die Fußballmannschaft Sturm leitet und die Spiele für die Schwarz-Weißen organisiert. Nur wenig später sollte auch Arthur Longin, der Bruder von Fritz, als Obmann tätig sein.

Die ersten Spiele der Schwarz-Weißen

Zu Beginn der 1910er Jahre sind die Grazer der Zweiten Klasse zugehörig. Am 14. November 1909 findet am Sportplatz in der Fröhlichgasse ein Doppelfußballspiel statt – unter anderem mit der Partie von Sturm gegen die Sportvereinigung II. Das Spiel nimmt allerdings ein verfrühtes Ende, es muss wegen Dunkelheit abgebrochen werden. Im April 1910 darf Sturm gegen Germania Graz einen 8:1-Sieg feiern. Weniger erfolgreich läuft es in einem Duell mit dem GAK, das in zunehmender Dunkelheit mit 0:5 verloren geht. Ein für heutige Verhältnisse internationales Kräftemessen gibt es im Juni 1911. Sturm spielt auf der vom GAK zur Verfügung gestellten Anlage in der Körösistraße gegen Concordia Agram und gewinnt prompt mit 2:1. In weiterer Folge treffen die Grazer vermehrt auf den GAK sowie andere Vereine aus der Stadt, die Spiele gehen vor allem am Sportplatz Fröhlichgasse über die Bühne. Zur Eröffnung dieser neuen Stätte tritt Sturm gegen Rapid Graz an und darf sich über einen 3:1-Sieg freuen. 1913 wird der neue Platz von Rapid Graz feierlich eröffnet. Sturm bestreitet den Weg vom Augarten zum Bahnhof mit Automobilen – eine Sensation für diese Zeit. Sturm siegt vor für damalige Verhältnisse toller Kulisse mit 3:1.

Die Sturm-Mannschaft vor dem Spiel gegen Agram.

Liebe kennt keine Entfernung

Die Liebe zum Fußball und zu Sturm ist bei den Gründungsmitgliedern groß. Beim mittlerweile 20-jährigen Fritz Longin reicht sie soweit, dass der nach Leoben übersiedelte Lehrer an den Wochenenden stets mit dem Fahrrad von seiner neuen Heimat nach Graz zu den Spielen pendelt. Im Frühjahr 1914 darf sich Sturm über den Gewinn der Grazer Meisterschaft der zweiten Klasse freuen. In Folge werden die Schwarz-Weißen jedoch nicht in der ersten Klasse spielen.

Warum dem so war, erfahren Sie schon bald im zweiten Teil unseres Rückblicks auf die Jahre 1909-1918.