Sonstiges - 14.05.2019, 08:45

110 Jahre Sturm: Einmal Staatsliga B und zurück

Rückblick: 1950-1959 – Teil 1/2

Nach ein paar gelungenen Spielzeiten in der neuen Staatsliga musste Sturm Graz in der ersten Hälfte der 1950er-Jahre auch den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Doch die sogenannte Staatsliga B war für die Schwoazen nur von kurzer Dauer, Sturm stieg gleich wieder auf. Die Jahre 1950 bis 1954 im Rückblick.

Zum Start in die 50er-Jahre verläuft die Rückrunde der ersten Saison der gesamtösterreichischen Staatsliga für den SK Sturm wesentlich besser als noch der Herbst 1949. Die Schwarz-Weißen beenden die Meisterschaft auf Rang zehn und bleiben der Staatsliga somit erhalten.

Solide Zeiten in der höchsten Spielklasse

Mit echtem Sturm-Geist bereiten sich die Grazer auf ihr zweites Staatsliga-Jahr, die Saison 1950/51, vor. Um auch einen spielbereiten Platz zu haben, richtet das „Steirerblatt“ am  9. Juli 1950 folgenden Aufruf von Platzmeister Franz Menzel an die Bevölkerung: „Sämtliche Spieler der Ersten, der Reserve und Jugendmannschaften sowie Mitglieder und Anhänger werden ersucht, ab Montag beim Platzausbau mitzuhelfen, damit das Feld zu Beginn der Saison spielfähig ist.“ Der Herbst ist in Folge von Siegen und Niederlagen gesäumt, nach einem 0:6 in Wiener Neustadt droht das Abstiegsgespenst, es sich bei Sturm gemütlich zu machen. Aber Fehlanzeige: Die Grazer werden in der zweiten Staatsliga-Spielzeit Siebenter. In der folgenden Saison will Sturm – erstmals mit dem GAK als Rivalen im Oberhaus – hoch hinaus. Währenddessen beendet mit Hans Gmeindl im Winter 1951 eine Sturm-Legende ihre Laufbahn. Der Goalgetter sollte dem Klub in verschiedenen Funktionen noch lange erhalten bleiben.

Im September 1953 leitet die Niederlage gegen den GAK Sturms sportliche Krise ein, gefolgt vom Abstieg in die Staatsliga B.

In der Saison 1951/52 sind Sturm jegliche Abstiegssorgen fremd. Die Grazer liegen lange Zeit auf Rang fünf, fallen erst in den Schlussrunden auf Platz acht zurück. Am 01. September 1951 ist Sturm sogar erstmals Tabellenführer in der Staatsliga, im Dezember kommt es vor 10.000 Zuschauern zum ersten Aufeinandertreffen mit dem GAK in der höchsten Liga – und zu einem 2:1-Erfolg für die Schwoazen.

Flaschenduell und Abstieg

Am 24. August 1952 starten die Schwarz-Weißen auf dem Sturmplatz gegen Simmering in die neue Saison. In der 75. Minute fliegt eine Bierflasche auf das Feld und trifft einen Gästespieler am Rücken. Dieser zögert nicht lange und wirft sie ins Publikum zurück. Die Simmeringer können nur mit Mühe am Abtreten gehindert werden. Sturm gewinnt 2:1, verliert den Sturmplatz aber aufgrund einer Sperre für drei Meisterschaftsspiele. Seit dem Flaschenwurf dürfen auf Staatsliga-Plätzen außerdem keine Flaschen mehr mitgenommen werden. Der Herbst ist in Folge von vielen emotionalen Spielen geprägt. Im September des Folgejahres, also 1953, leitet eine 3:4-Niederlage beim GAK nach acht erfolgreichen Jahren eine sportliche Krise ein. Diese führt schlussendlich so weit, dass die Schwarz-Weißen nach fünf Jahren in der sogenannten Staatsliga A in die zweite Spielklasse, die Staatsliga B, absteigen müssen.

Die „Sturm-Opposition“ unter Ex-Spieler Franz Krisper ist sauer: „In den zwei Jahren unter Karl Decker hat Sturm das Kämpfen verlernt. Decker war nicht der richtige Trainer. Außerdem hätte man im Winter Engelmaier (Vienna, FC Wien) fürs Tor kaufen müssen.“ Zum finanziellen Wohl des Klubs trägt der Abstieg naturgemäß nur wenig bei.

Sofortiger Wiederaufstieg

Mit einem 8:0 gegen Wimpassing startet Sturm am 22. August 1954 in die Staatsliga B, es folgt ein 0:7 gegen den WAC im Praterstadion. Daraufhin akklimatisieren sich die Grazer aber und werden klarer Herbstmeister. Im Frühjahr marschiert Sturm Richtung Titel. Diesen fixieren die Schwarz-Weißen schließlich mit einem 4:1 in Eisenerz und einem 0:0 am 19. Juni 1955 in Wimpassing. Sturm steigt knapp vor der Grazer Austria trotz finanzieller Schwierigkeiten gleich wieder in die Staatsliga A auf. Doch die Schwarz-Weißen sollten sich vorerst nur für zwei Jahre in der höchsten Spielklasse halten können.

Wie sich Sturm Graz in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre präsentiert hat, können Sie schon bald hier erfahren!