Sonstiges - 20.02.2019, 07:40

110 Jahre Sturm: Neue Heimat

Rückblick: 1919-1929 – Teil 1/2

Im Jahr 1919 suchte Sturm Graz eine neue Heimat – und fand sie auch. Die Schwarz-Weißen feierten die Eröffnung des neuen Sturmplatzes und absolvierten ihre Spiele von nun an in der Gruabn, aber auch einige in der Fremde. Wir schauen zurück auf die Jahre 1919 bis 1924.

In den späten Monaten des Jahres 1918 liegt der erste Weltkrieg in seinen letzten Zügen. Zahlreiche Frauen sehen ihre Männer nach dem Krieg nicht wieder, viele Kinder ihre Väter nicht. Was zurückbleibt, sind Hunger und Not.

Foto aus dem Jahr 1919: Sturms erste Mannschaft nach dem Ersten Weltkrieg.

Wer suchet, der findet

An den Fußball ist in dieser Zeit nur schwer zu denken. Sturm Graz übersteht aber auch diese Tage: Dank Dr. Karl Assmann, Anton Berghaus und Co. lebt der Sturmgeist zur Jahreswende nach wie vor. Im Februar 1919 wird Erstgenannter zum ersten Obmann nach dem Krieg gewählt. Assmann ist es auch, der schon seit Beginn des Jahres eifrig an einer Lösung der Platzfrage arbeitet. Der alte GSV-Platz ist keine Option mehr, die Bevölkerung braucht die Flächen, um selbst nicht zu verhungern. Eine Lösung liegt allerdings nahe und kommt von Michael Höller, der Obmann Assmann im Verein zur Seite steht. Höllers Vater hat an der Ecke vom Jakominigürtel zur Klosterwiesgasse eine Wiese gepachtet, sie diente zuletzt als Holzlagerplatz. Und nach raschen Verhandlungen von nun an als Fußballplatz! Karl Assmann berichtet damals: „Heute, wo wir unser Ziel von 1909 fast erreicht sehen, wo aus einer Schar Studentlein und anderer Jünger eine achtbare Sportgemeinde wurde, haben wir nur noch eine Aufgabe: Mitzuwirken, den Sportgedanken zu verbreitern. (…) Das Geheimnis liegt nur in dem Wort Treue zu den Klubfarben schwarz-weiß!“

"Das Geheimnis liegt nur in dem Wort Treue zu den Klubfarben schwarz-weiß"

Karl Assmann

Ein Sieg zum Einstand

Der neue Platz, der noch ein gewisses Gefälle aufweist und die Heimat zahlreicher Maulwürfe ist, wird mit dem ersten Sturm-Ball im Brauhaus Puntigam gefeiert. Offiziell eröffnet wird die Gruabn mit einem 14:1 gegen den Salzburger AK (SAK). Zu Ostern ist Hakoah Wien der erste Gast aus der Bundeshauptstadt. Sturm verliert zwar 2:3, das Ergebnis ist aber eine Sensation. Tags darauf wird dasselbe Spiel im wahrsten Sinne des Wortes noch einmal gespielt: Diesmal gewinnt Sturm sogar 1:0! Das ist ein Sinnbild dafür, dass die Grazer trotz des Verlustes zahlreicher Spieler aus der Vorkriegszeit über eine junge, ambitionierte Mannschaft verfügen. Am 20. Juli dann die Krönung: Der Deutsch-Alpenländische Fußballverband erklärt Sturm nach ausgezeichneten Leistungen im Frühjahr 1919 für erstklassig.

Sturm (hockend) empfängt 1920 in der Gruabn die Wiener Amateure (später: Wiener Austria).

Von nun an ein Sportklub

Im November ändert der Fußballklub Sturm seinen Namen, da neben der Sektion Fußball auch noch andere Sportarten eingeführt werden. Von nun an heißt der Verein also SK Sturm. Und als solcher fightet er erfolgreich gegen zahlreiche Vereine und holt sich auch den ersten Steirischen Meistertitel. Amüsant eine Anekdote dieser Zeit: Ein 3:2 der Wiener Amateure wird in der Grazer „Montagszeitung“ als 2:2 gewertet: „Den Elfmeter zum 3:2 für die Wiener anerkennen wir nicht, da er eine Verbeugung vor Wien war. Sturm hielt ein 2:2.“ So einfach war das früher!

Gruabn-Ausbau und Kofferträger

Im Herbst 1920 und Frühjahr 1921 wird der Sturmplatz ausgebaut. Im März 1921 bekommt die „planierte“ Anlage des Sturmplatzes Besucherrampen – noch ohne gedeckte Tribüne. Die vielen weiteren Spiele an dieser Location sind natürlich auch für die Jugendspieler ein Erlebnis. Im Sturm-Sporttelegraf wird einer von ihnen zitiert: „Was machte ein aufgeweckter Bub damals? Bevor noch das Umkleidehaus am Sturm-Platz erbaut war, hat sich die damalige Kampfelf von Sturm im Café Habsburg bzw. Café Koller (...) umgezogen und die Spieler sind dann in Dressen zur Kampfstätte Sturm-Platz marschiert. Viele Buben baten dann einen (Spieler, Anm.), sie auf den Platz mitzunehmen, indem sie dem Spieler das Kofferl oder das Handtuch trugen.“ Und so konnten sie das Spiel dann verfolgen und mitansehen, wie der SK Sturm immer populärer wurde.

Sturm wird international

Reisen nach Deutschland, Italien, Niederlande, Jugoslawien und die Tschechoslowakei beginnen sich zu häufen. Die Saison 1922/23 wird zum Triumph für die Schwarz-Weißen, 1923 zählt Sturm 340 unterstützende und 165 ordentliche Mitglieder sowie 95 Eleven. Die Herbstsaison dieses Jahres wird zum Erfolgslauf, Sturm ist überlegener Winterkönig 1923. Der GAK holt im Frühjahr 1924 aber auf, zwei Stadtduelle entscheiden um den Titel, der dann an die Roten geht. In weiterer Folge kommt es in der Steiermark zu einer Reform: Man setzt auf Jahresmeisterschaften, der Herbst 1924 verläuft also ohne Pflichtspiel.

Wie es für die Schwarz-Weißen in den darauffolgenden Jahren, also von 1925 bis 1929, weiterging, erfahren Sie schon bald im zweiten Teil unseres Rückblicks auf die Jahre 1919-1929.