Sonstiges - 21.03.2019, 08:08

110 Jahre Sturm: Start in ein neues Jahrzehnt

Rückblick: 1930 -1939 – Teil 1/2

Erfolgreich startete der SK Sturm in die 1930er-Jahre, es folgten sportliche Höhe- und Tiefpunkte. Highlights waren mit Sicherheit zwei Cupsiege sowie der Gewinn der Landesmeisterschaft und auch der Amateurstaatsmeisterschaft. Wir schauen zurück auf den ersten Abschnitt dieses Jahrzehnts, also auf die Jahre 1930 bis 1934. 

Zu Beginn der 1930er-Jahre bedingt die Weltwirtschaftskrise eine Massenarbeitslosigkeit, die Zeiten sind nicht einfach. Sturm hat aber mit Hofrat Dr. Rudolf Resner einen angesehen Präsidenten, mit dem Start ins neue Jahrzehnt kommt Franz Reistenhofer zu den Schwarz-Weißen.

Die Begeisterung für Schwarz-Weiß

Der Wein-Großhändler und Vermouth-Fabrikant Reistenhofer sollte in den nächsten zwanzig Jahren großen Anteil am Aufschwung der Grazer haben. „Nach 12-jähriger Abwesenheit von Graz saß ich auf dem GAK-Platz. Dort tummelten sich zwei Mannschaften: Rot-Weiß und Schwarz-Weiß. Beide Mannschaften spielten recht gut, die Rot-Weißen vielleicht etwas besser, die anderen zäher und aufopfernder. Immer aber machte ich die Beobachtung, dass die Sturm-Leute sich in ihren Kämpfen durch besonderen Elan und Ehrgeiz auszeichneten – und unwillkürlich war ich ihr Anhänger geworden. (...) Die Kameradschaft, sie war es in erster Linie, die mich an den Klub fesselte, diese Liebe und der Opfermut zu den Farben schwarz-weiß“, erinnert sich Reistenhofer in einer Festschrift aus dem Jahre 1934 zurück.

"Immer aber machte ich die Beobachtung, dass die Sturm-Leute sich in ihren Kämpfen durch besonderen Elan und Ehrgeiz auszeichneten – und unwillkürlich war ich ihr Anhänger geworden."

Franz Reistenhofer in einer Festschrift 1934

"Sieg basiert auf grenzenloser Aufopferung"

Sportlich startet Sturm Graz erfolgreich in die 30er-Jahre. Zu Beginn der Saison können die Steirer einige Siege feiern, unter anderem gegen Kapfenberg, Donawitz und den Grazer Sportklub. Erst gegen den starken GAK nimmt der Erfolgslauf mit einem 1:4 vor 8.000 Zuschauern ein Ende. Noch im Dezember des Jahres 1930 gelingt Sturm aber die Revanche und gewinnt 1:0. Noch sensationeller als dieser Sieg ist jener vom 07. Juni 1931, als die Schwoazen für eine Sensation auf dem GAK-Platz sorgen und die Rotjacken in ihrer Meisteraufstellung 5:2 abfertigen. Die „Montagszeitung“ berichtet: „Sturms Sieg basiert auf seiner grenzenlosen Aufopferung. (...) Das Publikum benahm sich zeitweise so, wie sich wohlerzogene Menschen nicht benehmen.“

Das "Sportcafé Berghaus", der gesellschaftliche Mittelpunkt dieser Zeit.

 Zwei Cupsiege als Highlight

Im Sommer 1931 werden im „Sportcafé Berghaus“ Verstärkungspläne geschmiedet. Martin Lamoth, der schon seit einem Jahr bei Sturm spielt, erzählt Sturm-Sektionsleiter Josef Plendner – er ist über Jahre hinweg die „Seele des Vereins“ und mit der Wichtigste Mann des Klubs – von seinem Bruder Max, der in der Jugendelf des GAK seit drei Jahren für Furore sorgt. Dieser wolle unbedingt weg vom GAK, der Weg für ihn zu Sturm ist geebnet. Erst 1953 wird er bei Sturm nach einigen Karrierestationen seine Laufbahn beenden. In der Tabelle hat Sturm zum Ende des Jahres 1931 noch Chancen auf den Titel, landet am Ende drei Zähler hinter dem GAK, der gegen die Schwarz-Weißen seine einzige Saisonniederlage kassiert, auf Rang zwei. 1932 und 1933 können die Grazer trotz nicht gerade wunschgemäßer Leistungen in der Meisterschaft – 1933 wird Sturm lediglich Vierter – zwei Cupsiege feiern.

Die Tribüne der Gruabn, seit 1934 mit einem Dach über dem Kopf.

Der Sturmplatz wird saniert

Es ist Franz Reistenhofer, der sich als späterer Ehrenpräsident stark dem Wunschtraum, den Sturmplatz auszubauen, widmet. Sein Traum wird Realität, die ausgebauten und teils überdachten Tribünen sind nur ein Teil der Sanierungen. Am 20. März 1934 berichtet die „Kleine Zeitung“ schließlich von der Neueröffnung. „Der Sturmplatz, ob seiner zentralen Lage und der guten Sicht seit je besonders beliebt, erfuhr durch die hingebende Tätigkeit des staatlichen Arbeitsdienstes unter Leitung des Herrn Josef Mößlacher, der Baureferenten Franz Reistenhofer und Dr. Karl Assmann und nicht zuletzt durch tatkräftige Förderung durch Großkaufmann Öhler eine derart gründliche Veränderung, dass er heute zu den schönsten Sportanlagen Österreichs zählt.“

Landesmeister und Amateurstaatsmeister

Nach einer fulminanten Herbstsaison 1933 beginnt im Februar des Folgejahres in Linz der Bürgerkrieg, der sich in der Obersteiermark und Graz fortsetzt. Die Februarunruhen fordern Hunderte Tote und münden im Verbot der Sozialdemokratie und im autoritären Ständestaat unter Bundeskanzler Engelbert Dollfuß, der am 25. Juli ermordet wird. Auf sportlicher Ebene gibt es für die Grazer 1934 zu ihrem 25-jährigen Bestandsjubiläum trotzdem Grund für gute Laune. Sturm steht erstmals seit 1925 wieder als Landesmeister fest. Die Amateurstaatsmeisterschaft, an der die Landesmeister der neun Bundesländer – ohne Vereine der Wiener Profiliga allerdings – teilnehmen, geht ebenfalls an Sturm. Es ist ein würdiger Erfolg im Jubiläumsjahr. Im Herbst 1934 können die Schwarz-Weißen an ihre zuletzt erbrachten Leistungen dann allerdings nicht ganz anschließen.

Die Sturm-Mannschaft aus dem Jahre 1934.

Was die Schwarz-Weißen im zweiten Abschnitt dieses Jahrzehnts erlebten, erfahren Sie hier schon bald!