Sonstiges - 28.02.2019, 09:04

110 Jahre Sturm: Turbulente Zeiten

Rückblick: 1919-1929 – Teil 2/2

Die Jahre 1925 bis 1929 waren für den SK Sturm von Spannung und Brisanz geprägt. Die Schwoazen wurden Ganzjahresmeister, wären beinahe zerfallen und gingen in einem Finalspiel nicht als Sieger vom Platz – aber auch nicht als Verlierer.

Weil man in der Steiermark auf Ganzjahresmeisterschaften setzt, bestreitet der SK Sturm im Herbst 1924 kein Pflichtspiel. 1925 wird für die Grazer dafür ein besonderes Jahr. Während das Radio geboren wird, der Schilling eingeführt wird und die Grazer Tramwaygesellschaft seine Schienen auch am Schönaugürtel verlegt, dürfen sich die Schwarz-Weißen über den Sieg in der Ganzjahresmeisterschaft freuen.

„Eigenschaften, die sonst kein Verein hat!“

Am 26. April des Jahres trennen sich Sturm und der GAK mit einem 3:3 auf dem Sturm-Platz. Wenige Monate später, im September, stehen die Schwoazen nach einem 4:3 über die Roten vorzeitig als Jahresmeister fest. Über den offiziellen Landesmeistertitel darf sich Sturm jedoch erst nach einem Entscheidungsspiel – Gegner ist der obersteirische Meister Kapfenberg – freuen.

"Durch Kampf zum Sieg. Die grandiose Sturm-Viertelstunde, der ‚Sturm-Geist‘ – das sind Eigenschaften, die sonst kein Verein hat!"

Zeitungsausschnitt anno 1925

Die Grazer gewinnen mit 4:1. Die Presse schreibt: „Das Sturm-Motto: Durch Kampf zum Sieg. Die grandiose Sturm-Viertelstunde, der Sturm-Geist – das sind Eigenschaften, die sonst kein Verein hat!“

Ein Legionär und schwierige Zeiten

1926 wirkt die Schilling-Reform, die Wirtschaft im Lande hat sich nach zahlreichen Tiefschlägen erholt. Mit dem Legoinär Strakovics aus Kaposvar verpflichtet Sturm seinen ersten Spieler aus Ungarn, der mit seiner ausgezeichneten Technik rasch zum Fanliebling wird. Im Verlauf des Jahres bestreitet Sturm einige weitere Spiele, zu Pfingsten gewinnen die Grazer den Pfingst-Silberpokal dank eines 11:0 gegen den Grazer Sportklub Straßenbahn und ein 3:2 gegen Rudolfshügel Wien. Durch die Installation des Verbands der Amateurfußballvereine Österreichs (VAFÖ, Anm.) ist die Tabelle in der „Profi“-Meisterschaft um einiges kleiner, trotz großer Sturm-Erfolge wird der GAK Meister. 1927 werden die Grazer von einer VAFÖ-Krise getroffen: Aufgrund der politischen Ereignisse rund um den Zwist zwischen Sozialdemokraten und Christlichsozialen werden alle arbeitenden Spieler angehalten, dem VAFÖ beizutreten. Davon sind auch einige Schwarz-Weiße betroffen.

Die Sturm-Mannschaft in den 20er-Jahren.

Sturm bleibt unpolitisch

In Folge liest man auch von einer Spaltungsgefahr beim Sportklub Sturm. Im Jänner 1927 schreibt die Presse: „Bisher ist es gelungen, den Klub in einheitlicher, unpolitischer Form zu führen. In der letzten Zeit sind aber einzelne Mitglieder des Klubs, wohl verblendet durch Versprechungen und verlockt durch Anstellungen in sozialdemokratisch geleiteten Unternehmungen, aus der Reserve herausgetreten und haben eine offene Agitation zum Übertritt ins VAFÖ-Lager begonnen. (…) Doch es besteht zu hoffen, dass auch heute die Mehrheit der Klubmitglieder auf dem Standpunkt steht, dass der umfassende, wirklich freie Sportbetrieb nur mit Ausschaltung jeder Politik möglich ist.“ Was auf dem Spiel steht, ist klar ersichtlich, die Hauptversammlung 1927 gleicht dieser vom Jänner 80 Jahre später, als Sturm 2007 am Rande des Konkurses stehen sollte. Nach langen Verhandlungen fällt eine einstimmige Mehrheit und man bleibt unpolitisch. Trotz dieses Entschlusses werden die sportlichen Leistungen überschaubarer, viele Leistungsträger verlassen den Klub, Sturm bringt oft nur mit Mühe elf Spieler zusammen. Nichtsdestotrotz werden die Schwoazen Zweiter, allerdings klar hinter dem Stadtrivalen.

Keine Zeit – kein Sieger

Mit Oktober 1928 beginnt wieder eine saisonale Meisterschaft. Die graue Eminenz zu dieser Zeit ist Josef Plendner, der als Betreuer die Jahre 1919 bis 1950 prägt. Gesellschaft ist für den SK Sturm in dieser Zeit wichtig, es wird ein Vereins-Tanzkurs angeboten. Die Meisterschaft beenden die Grazer wieder auf Platz zwei, diesmal hinter dem Grazer Sportklub. Im September 1929 feiert der Sportklub Sturm sein 20-jähriges Bestehen und kämpft um den Anton-Berghaus-Pokal. In heutigen Zeiten skurril: Es gibt keinen Sieger, weil die Spieler des WAC nach einem 2:2 nach 90 Minuten zur Bahn müssen. Für eine Verlängerung bleibt keine Zeit.

Wie es für die Schwarz-Weißen im folgenden Jahrzehnt weiterging, können Sie im nächsten Monat hier lesen!