Sonstiges - 21.08.2019, 20:58

Kurt Stendal (68) verstorben

Ein bescheidener, großer Schwarz-Weißer

Die Sturmfamilie trauert um eine Stürmer-Legende der Jahre 1971 bis 1982: Kurt Stendal verstarb in Kopenhagen im 69. Lebensjahr. Unser Mitgefühl gilt seiner Tove, mit der er 1971 20-jährig nach Graz zu Sturm kam und rund zehn Jahre seines Lebens hier verbrachte. Und seinen drei Töchtern, die in Graz aufwuchsen, sowie seinen drei Enkerln. Noch im heurigen Mai besuchte Kurt im GrazMuseum die Ausstellung „Die Gruabn | Das Herz von Sturm“ und plauderte mit Sturmfans.

Im Spitzenfeld der Sturm-Schützenliste

In 231 Meisterschaftsspielen erzielte Kurt Stendal 69 Tore für Schwarzweiß, in 18 ÖFB-Pokalspielen elf Tore und in zwölf Europacupspielen (Cup der Cupsieger und UEFA-Cup) fünf Tore. Macht insgesamt 85 Treffer. Eine mehr als stolze Bilanz, die Kurt hinter den Sturm-Ikonen Mario Haas, Ivica Vastic, Gernot Jurtin und Bozo Bakota auf Rang fünf der ewigen Schützenliste rangieren lässt. Und dabei blieb Kurt immer das, was er schon war, als er im Juli 1971 20-jährig gemeinsam mit seiner Tove in der Gruabn stand: ein bescheidener, sympathischer Mensch ohne Allüren. Von 1971 bis 1982 war er mit Unterbrechungen für Sturm tätig, in dieser Zeit wurden Graz und die Steiermark ihm und seiner Gattin zur zweiten Heimat. Alljährlich verbrachten sie ein- bis zweimal Urlaubstage in unserer Stadt – zuletzt in der letzten Mai-Woche 2019.

Kurt Stendal (rechts) mit seinen Landsleuten Kjeld Seneca (l.) und Ivar Schriver.

Wer wagt, gewinnt

Blenden wir zurück: 1971 wurden der 31-jährige Sturm-Präsident Hans Gert und sein 35-jähriger deutscher Trainer Adolf Remy in Dänemark, wo die Fußballer damals Amateurstatus hatten, fündig. Sie überredeten gemeinsam mit dem Hvidovre-Trainer, dem Ungarn-Wiener Ernst Netuka, den knapp 20-jährigen Studenten sein Glück bei Sturm zu versuchen und sein Studium zu unterbrechen. Wer wagt, gewinnt, dachte sich Stendal und übersiedelte mit seiner Tove in eine ihm damals fremde Welt. 1972 folgten Stendal Kjeld Seneca und Ivar Schriver in die grüne Mark.

Gelungenes Debüt, Rapid-Schreck

Der Start bei Sturm glückte. In einer verjüngten Truppe mit Grloci; Wirth, Ruß, Fuchs, Helmut Steiner; Helmut Huberts, Kupferschmidt; Trenkwalder, Stendal, Kaiser (Ringert), Zamut lief es anfangs gegen den LASK zäh, aber in der 57. Minute traf Stendal aus elf Metern nach Huberts-Pass ins Nordtor. Goldtor und 1:0-Sieg. Der 20-Jährige hatte seinen Stammplatz und gab ihn nicht mehr her. Höhepunkt im ersten Jahr waren seine drei Tore zum 3:1-Sieg gegen Rapid am 12. April 1972: 6. Minute 1:0, 72. Minute 2:0, wobei er drei Rapidler ausspielte, 88. Minute 3:1 – aus einem 20-Meter-Aufsitzer. Am 5. April 1975, im ersten Zehnerliga-Jahr der neuen Bundesliga unter Trainer Karl Schlechta, fügte Kurt mit zwei Toren gemeinsam mit Kulmer und Jurtin Rapid ein 4:0-Debakel zu. Sturm spielte damals mit Benko; Ruth, Ruß, Heri Weber, Helmut Huberts; Pichler, Seneca, Steiner; Stendal, Hofmeister (Kulmer), Jurtin. Und am 24. Mai 1980, diesmal war Otto Baric Sturmtrainer, war es wieder Stendal, der nach der Pause Rapid mit drei Toren k.o. schoss: 48. Minute 1:0, 67. 2:0 und 83. 3:0. Ein Hattrick, wie er im Büchl steht.

Tore gegen den GAK

Im ersten Bundesliga-Jahr 1974/75 war Stendal mit 15 Treffern abermals ganz vorne in der Klub-Schützenliste. Auch bei Stadtderby gegen den GAK war Stendal immer für Tore gut – so beim 4:4 im September 1975 mit Toren zum 2:1 und zum 4:2, am 12. März 1976 rettete sein Tor ein 1:1 gegen die Rotjacken. Beim 3:0 über den GAK am 3. November 1976 waren es ein Elfmeter in der 46. Minute und ein Solo in der 78. Minute. Jurtin stellte dann noch auf 3:0.

Kurt Stendal bei einem Stadionbesch mit Präsident Christian Jauk und Herbert Troger.

Pokalfinale 1975, Europacup-Torschütze

Mit insgesamt sechs Pokaltoren war Kurt Stendal 1974/75 am Einzug ins Pokalfinale mitverantwortlich, beim 2:0-Sieg im zweiten Finalspiel gegen Wacker Innsbruck, war er Assistgeber für Kulmers 2:0. Dass Sturm im ersten Finalspiel in Innsbruck durch den Kärntner Schiri Latzin zwei Elfmeter aufgebrummt bekam, ärgert die Sturmfans noch heute.

Im UEFA-Pokal glänzte Stendal schon im Herbst 1974 beim 2:1 gegen Royal Antwerpen in Liebenau, als er in der 30. Minute aus fast 30 Metern nach Ringert-Vorlage ins Kreuz traf. Im Europacup der Cupsieger verwandelte er gegen Slavia Sofia eiskalt zwei Elfmeter zum 3:1-Heimsieg. Gegen Haladas Szombathely brach er mit seinem Tor zum 1:0 in der 55. Minute den Bann, Sturm siegte mit 2:0 und stieg nach einem 1:1 in Ungarn ins Viertelfinale des EC der Cupsieger auf. Auch im Herbst 1981 war er erfolgreich: Beim dramatischen 2:3 bei IFK Göteborg erzielte er in der 67. Minute nach Bakota-Vorlage das 1:1.

Christian Jauk überreichte Kurt Stendal die Legenden-Urkunde.

Vier Trainer, zwei Präsidenten

Stendal arbeitete in Graz unter vier Trainern – Adolf Remy, Karl Schlechta, Dr. Günter Paulitsch und Otto Baric – und unter zwei Präsidenten – Hans Gert und Franz Gady. Mit dem Bundesliga-Einzug, dem Pokalfinale, dem Viertelfinale im Europacup der Cupsieger und mit dem Herbst- und Vizemeistertitel 1980/81 war er bei den größten Sturm-Erfolgen vor der Ära Osim-Kartnig entscheidend dabei. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere, 1982, arbeitete Stendal in Kopenhagen bei einer Tageszeitung als Journalist und nebenbei auch als Trainer. Nach seiner Pensionierung galt sein Hobby der Nachwuchsförderung seines Heimatklubs Hvidovre und natürlich seiner Familie. Schwere Erkrankungen machten ihm in den letzten Jahren zu schaffen, doch Kurt überwand sie alle – bis auf die letzte – und blieb immer, ohne je zu klagen, der liebenswerte Mensch.

Die Sturmfamilie trauert um einen ihrer Besten, um eine unvergessliche Legende.

Trauriges Detail am Rande: Von der Herbstmeister- und Vizemeistertruppe 1980/81 unter Otto Baric sind mit Kurt Stendal, Gernot Jurtin, Bozo Bakota, Rudi Schauss, Heinz Schilcher und Marcel Boyron sechs Spieler nicht mehr auf dieser Welt.