Sonstiges - 22.04.2019, 22:44

Refik Muftic verstorben

Sturm-Tormann und Osim-Assistent Refik Muftic wurde 75 Jahre alt

Die Sturmfamilie und Ivica Osim tragen Trauer. Nach Osims Freund und Mitstreiter Heinz Schilcher ist mit Refik Muftic sein langjähriger Trainer-Assistent bei Sturm am 21. April verstorben. Die dritte Torhüter-Legende Sturms nach Damir Grloci und Franz Mikscha ging innerhalb eines Jahres von dieser Welt.

Ein Vater dreier Töchter

Geboren wurde der sympathische Tormann-Hüne am 28. August 1943. In seiner Trainerzeit beim SK Puntigamer Sturm Graz unter Ivan Osim wird 1939 als Geburtsjahr geführt. Wie für Ivica Osim war Sarajewo für ihn Heimatstadt, große Liebe und tragisches Schicksal: Familienmensch Muftic hatte drei Töchter, eine starb 12-jährig im unglückseligen Balkankrieg in Sarajewo durch eine verirrte Kugel. Refik und seine Gattin trugen das unermessliche Leid stets mit Fassung und Würde. Eine Tochter zog es in die USA, die zweite lebt in Triest, wo Refik seinen Lebensabend verbrachte.

Refik Muftic.

Torsperre gegen ManU

Aber zurück zu seiner Tormannkarriere: Beim NK Sarajewo erlebte er eine große Zeit, 1966/67 wurde der Klub in der starken jugoslawischen Liga Meister. Und Refik trug großen Anteil dazu bei. 1967 spielte er im Achtelfinale des Europacups der Meister gegen Manchester United einmal sogar 0:0. 1973 übersiedelte Refik nach Österreich und sorgte beim Fusionsklub Radenthein/Villach für Furore. Sturm blieb er damals in schmerzlicher Erinnerung: Die erfolgsgewohnte Truppe von Karl Schlechta biss sich am 13. Oktober 1973 in der Gruabn an Refik die Zähne aus, Sturm unterlag mit 0:2.

Der Mann mit den Polypenarmen

Im Sommer 1974 zog Sturm in die neue Zehner-Bundesliga ein, der GAK musste in die zweite Liga, ebenso Radenthein/Villach. Am 10. Juli 1974 überraschte Sturm-Präsident Hans Gert im Klubhaus der Gruabn mit der Ansage: „Burschen, der Muftic ist bei Sturm.“ Refik war damals für die junge Sturm-Truppe mit Mandi Steiner, Andy Pichler, Heri Weber, Gernot Jurtin, Hubsi Kulmer und Co. der Anker. Mit seinen Polypenarmen sorgte er schon bei seinem Debütspiel gegen Wacker Innsbruck am 9. August 1974 für eine Torsperre, Sturm siegte durch einen Steiner-Freistoß mit 1:0. In der Ära Karl Schlechta spielte Muftic mit Sturm 1974 im UEFA-Cup gegen Royal Antwerpen (2:1 und 0:1) und 1975 im Europacup der Cupsieger gegen Slavia Sofia, Haladas Szombathely und Eintracht Frankfurt. Muftic krönte die Abwehrschlacht in Sofia (0:1) mit dem Aufstieg, und er war beim 1:1 in Szombathely Held in der Schlacht. 55 Meisterschaftsspiele bestritt der Riese unter Karl Schlechta für Sturm, musste aber immer wieder Fritz Benko und dem jungen Walter Saria Platz machen. Doch beide profitierten vom Können, von den Tipps und von der väterlichen Art des Bosniers.

Zwei Freunde: Ivan Osim und Refik Muftic.

Liebling der Sturmfans

Unvergessen die Pokalfinalspiele gegen Wacker Innsbruck im Frühjahr 1975 oder das sensationelle 4:2 im Horrstadion gegen Austria Wien mit der Mannschaft Muftic; Wirth, Ruß, Heri Weber, Ruth; Pichler, Seneca, Steiner; Kulmer, Stendal, Jurtin. Ärgerlich für Muftic das 4:4 gegen den GAK am 5. September 1975, als Sturm mit 4:2 führte und Refik beim Stand von 4:3 in der 81. Minute Peter Vidalli einen “Spitz“ verpasste. Schiri Erich Linemayr gab Elfmeter, Zuenelli glich zum 4:4 aus. Dafür jubelte Muftic ein Jahr später über zwei Siege gegen den GAK innerhalb einer Woche: 3:0 und 2:1. Und auch Bayern München wurde mit 6:5 besiegt. Im Juni 1977 verabschiedete sich Refik Muftic gemeinsam mit Karl Schlechta im Spiel gegen Wacker Innsbruck von Sturm und Graz. In drei Jahren war er zum Liebling der Sturmfans geworden.

2002: Refik Muftic, Heinz Schilcher und “Co“ Franco Foda.

1994 bis 2002 Tormanntrainer bei Sturm

Groß war daher die Freude, als Muftic in der Ära Ivica Osim 1994 wieder zu Sturm zurückkehrte. Die Aufgabe an der Seite des großen Meisters war für Refik eine Erfüllung, die Zeit in Graz auch eine Ablenkung von der Tragik um seine geliebte Tochter und von den Kriegsereignissen in Sarajewo. Für Kasimir Sidorczuk, Roland Goriupp, Pepi Schicklgruber und Co. war er Trainer, Ratgeber und Vaterfigur. An der Seite Osims und Schilchers durfte er alle Erfolge – zweimal Meister, viermal Vizemeister, dreimal Cupsieger, dreimal Supercupsieger, dreimalige Teilnahme an der Champions League mit dem Aufstieg im dritten Jahr in die Zwischenrunde – mitfeiern. Es waren schöne, traumhafte Jahre bei Schwarzweiß. Nach dem Osim-Abgang beendete auch er seine Karriere als Trainer und lebte fortan mit seiner Gattin bei seinen Töchtern – in den USA und zuletzt in Triest.

Leb wohl, Refik und danke

Die Sturmfamilie wird Refik Muftic immer als tollen Torhüter, als wertvollen Trainer und als sympathischen Menschen in Erinnerung behalten. Leb wohl, Refik und danke.