Sonstiges - 30.12.2020, 00:34

Der Kapitän steuert das schwarz-weiße Schiff

Präsident Christian Jauk manövriert den Klub durch schwierige Zeiten

Christian Jauk, Präsident des SK Puntigamer Sturm Graz, blickt auf das wohl außergewöhnlichste Jahr in der Vereinshistorie zurück. Seine Statements, sein Dank an die Fans, sein Gedenken an Mitgestalter des Klubs, die nicht mehr unter uns weilen und sein Wunsch für die Zukunft, nämlich: “Die Freiheit, die uns Corona genommen hat, in unser tägliches Leben zurückzubekommen.“

Der Klubboss mit Trainer Christian Ilzer.

Das 111. Jahr war wohl das turbulenteste in der Klubgeschichte des SK Puntigamer Sturm Graz. Wie hat Christian Jauk als Kapitän auf der Kommandobrücke das stürmische Jahr 2020 erlebt? 
In der Geschichte des Fußballs gab es noch nie Spiele ohne Zuseher. Gleichzeitig löste Corona die schwerste Wirtschaftskrise nach dem 2. Weltkrieg aus, die ihre Spuren im Fußball generell und auch bei unserem SK Sturm hinterlassen hat. Entsprechend kräfteraubend war dieses Jahr bei allen, die Verantwortung trugen. Wir freuen uns, dass das Krisenmanagement bisher gut funktioniert hat und die sportliche Entwicklung in die richtige Richtung zeigt. 
Schwarz-Weiß. Wenn man sportlich zurückblickt, hat Sturm heuer auch zwei gänzlich verschiedene Gesichter im Frühjahr und im Herbst gezeigt, oder? 
Sportlich verlief es manchmal wie auf der Achterbahn. Wenn du nicht einen unbändigen Sieges- und Kampfeswillen auf den Rasen bringst, den sogenannten Sturm-Geist, kannst du nicht erfolgreich sein. Die Mannschaft ist jetzt auf dem Weg zu einer Einheit zu wachsen, das ist schön zu beobachten. 

Ist Sturm in der Lage, bald um Titel mitzuspielen? 
Herz und Leidenschaft können immer Träume auslösen, aber die Realität der Dominanz von RB Salzburg, die mehr Budget als alle anderen Vereine zusammen vorweisen, relativiert die Frage. Derzeit liegen wir über unseren Erwartungen, was Freude und Dankbarkeit auslöst. Unser Dreijahresplan soll uns strukturell und sportlich näher zur Frage bringen. 
Wirtschaftlich gab es kaum einen Unterschied “dank“ der Pandemie in den beiden Saisonen Frühjahr und Herbst 2020? 
Der österreichische Fußball ist von der Unterstützung der öffentlichen Hand abhängig, so wie viele andere Branchen in dieser CORONA-Zeit. Sturm lebt von den Zusehern, emotional und wirtschaftlich. Daher trifft uns diese Krise leider in Relation stärker. 
Wie fühlt es sich an, bei einem Match ohne Fans im Stadion zu sein? 
Fußball braucht Begegnung, Sturm ganz besonders. Sturm lebt von der Emotion, das unterscheidet uns von anderen. Ich freue mich, hoffentlich bald, meine Sturm-Familie wieder zu sehen. Dieses Jahr hat uns erst bewusst gemacht, wie sehr uns Sturm fehlt. 

"In dieser Phase hat sich die sprichwörtliche Treue der Sturm-Fans wieder bewiesen, wofür ich mich bei allen sehr herzlich bedanke. Das macht uns sehr stolz."

Christian Jauk

Wie groß ist die Hoffnung, im Frühjahr wieder vor zumindest halbwegs vollen Rängen spielen zu dürfen? 
Diese Frage können wohl nur Mediziner beantworten. Ab Jänner sind leider nur 750 Zuseher erlaubt, aber ich sehne den Tag eines vollen Stadions herbei. Vom Gefühl her wird das aber noch eine Zeit lang dauern. 
Erfreulich ist hingegen sicherlich die Reaktion der Fans, Sturm hält ja trotz aller Widrigkeiten bei einem Mitglieder-Höchststand und schreibt mit den Fanshops schwarze Zahlen? 
In dieser Phase hat sich die sprichwörtliche Treue der Sturm-Fans wieder bewiesen, wofür ich mich bei allen sehr herzlich bedanke. Das macht uns sehr stolz. Der Fanshop ist nicht nur ein Einkaufserlebnis, sondern ein Statement im Herzen der Stadt. 

Mit Gerald Stockenhuber, Manfred Steiner, Otto Baric oder auch Edelfan Gerd Kolly hat Sturm wieder Leute aus dem engsten Kreis verloren. Ein Rückblick in Demut? 
Die Verluste dieser Freunde tun uns sehr weh. Jeder, der unseren schwarz-weißen Weg mitgegangen ist, wird immer in unseren Herzen bleiben. Dafür arbeitet auch unser Historiker-Team. 
Die Wünsche und Ziele des Präsidenten für 2021, für den Klub, sportlich, privat und global? 
Ich wünsche mir die Freiheit, die uns Corona genommen hat, in unser tägliches Leben zurück. Besonders schön wäre es, wenn Sturm die Herzen vieler Menschen im nächsten Jahr berührt und viel Freude ermöglicht. Aber das bei bestmöglicher Gesundheit.