Sonstiges - 19.11.2020, 01:35

Erinnerungen an 1979

Ein deutscher Sturmfan denkt zurück an ein Trainingslager am Gaberl und seine Begegnung mit Trainer Dr. Günther Paulitsch vor über vierzig Jahren

Die besagte Autogrammkarte aus dem Jahr 1979 mit Widmung.

Außergewöhnliche Post langte nun im Büro des SK Puntigamer Sturm Graz in Messendorf ein. Stefan Kiessler, ein Fan aus Deutschland, fand daheim beim Aufräumen eine Autorgrammkarte von Dr. Günther Paulitsch, die er vom damaligen Sturm-Trainer im Rahmen eines Trainingslagers auf dem Gaberl mit persönlicher Widmung bekommen hatte. Paulitsch machte auf den damals 14-jährigen Sturm-Anhänger aus dem Norden einen nachhaltigen Eindruck, sogar die ganze Mannschaft ließ der Coach aufstellen, damit der deutsche Bub ein Foto machen konnte. Welches der Junge allerdings mangels damals ausgereifter Technik und ob seiner Aufregung verhaute, wie in dem Schreiben unten zu lesen ist. Auf Wunsch von Stefan Kiessler haben wir einen Kontakt zwischen ihm und Günther Paulitsch hergestellt und Paulitsch, der sich gut an den Sommer 1979 und die Begegnung erinnern kann, versprach, ein altes Mannschaftsfoto aus diesem Jahr rauszusuchen und Stefan Kiessler zukommen zu lassen. Eine verfrühte Weihnachtsgeschichte.  

Hier der Brief von Stefan Kiessler an den SK Sturm:

Liebes Team von Sturm Graz,

eine kleine Geschichte, die Ihnen und Ihren Freunden hoffentlich Freude bereitet.

Am letzten Wochenende besuchte ich (Deutscher und 54 Jahre alt) meine 85-jährige Mutter In Hamm/Westfalen und sie bat mich, ein wenig im Keller aufzuräumen.

Dabei kam eine alte Blechkiste , die vormals wohl dänische Buttercookies beherbergte, zum Vorschein und ich erinnerte mich gut an die Dose. Die Meerjungfrau aus Kopenhagen war darauf abgebildet und als ich sie erblickte, wurde ich rasch in die Vergangenheit zurückkatapultiert.

Ich öffnete die Dose und ein typischer Kellerduft, allerdings gemischt mit einer metallischen Duftnote, strömte mir entgegen. In der Kiste befanden sich Teile eines alten Fischer-Baukastens und andere metallische Teile eines Baukastens aus den 1960er Jahren. Aber oben auf den gemischten Bauteilen thronte ein Foto, oder besser eine Karte, …es war eine Autogrammkarte…die mich schlagartig und mit positiven Gefühlen begleitet, Jahrzehnte  zurückversetzte…und zwar genau ins Jahr: 1979 – Sommer 1979

Gedanklich hatte ich visuell eine wunderbare Bergwelt vor mir, gemischt mit Bildern mit jungen Pferden auf einer Alm, leckeren „Haustoasts“, „Backerbsensuppe“, einem tollen Kellner, der mit mir immer Scherze machte und….diesen Menschen im Trainingsanzug.

Ich war damals mit meinen Eltern und Geschwistern in der Steiermark, im „Gaberl“ im Urlaub. Und an einem Tag kamen lauter Männer mit Trainingsanzügen in die Gaststube, meine Mutter bemerkte damals auch „nackige Männer“ im Flur, die wohl nach der Sauna suchten und insgesamt schien das Gasthaus „eine Sensation“ inne zu haben.

 Nur wir „depperten Deutschen“ wussten von nix. Bis ich als „neugieriger“ Bub  von 14 Jahren an der Rezeption nachfragte, was das denn das für Sportler wären…Der steirische Leser mag es jetzt  ahnen…Es war die Mannschaft von „Sturm Graz“, die mit uns zusammen  im Gasthof „Gaberl“ nächtigten und ein „Trainingslager“ vollzogen haben.

 Ich wusste damals wenig über die österreichische Liga und irgendwie wurde der Grazer Trainer darauf aufmerksam, dass sich ein kleiner deutscher Junge für den Aufenthalt der Fußballer interessierte. Das war Herr Dr. Günther Paulitsch! Herr Dr. Paulitsch nahm mich mit auf sein Hotelzimmer, öffnete seinen Koffer und holte eine Autogrammkarte heraus, die er mir widmete. Wir unterhielten uns über Fußball und ich erzählte ihm unter anderem, dass ich in Deutschland Schalke04-Fan bin (leider immer noch ).

 Ich habe dieses Erlebnis  noch so genau vor Augen, weil es für mich etwas Besonderes war, und wohl immer bleiben wird. Diese Herzlichkeit, einen kleinen Jungen aus Deutschland nicht abzuweisen sondern ohne Arroganz und Starallüren zu behandeln…

 Ich durfte sogar am nächsten Tag auf dem Parkplatz ein Mannschaftfoto machen. Die gesamte Mannschaft stellte sich in professioneller Aufstellung vor mir auf und ich war so aufgeregt, dass ich am Ende nur die Hälfte der Mannschaft auf dem Foto hatte. Für die jüngeren Leser: Damals musste man nachdem man Fotos geschossen hatte, einen „Film“ einschicken, ein paar Wochen warten und dann bekam man die Fotos per Post zugeschickt.

Dieses Erlebnis war für mich so einschneidend, dass ich meine Eltern in diesem Urlaub bat, mit mir nach Graz zu fahren um ein Trikot einzukaufen. Es wurde ein „Raika-Sturm Graz Trikot- -Leiberl“ in Schwarz- Weiss, welches ich Jahre danach noch mit voller Stolz in Deutschland trug. Ich glaube, ich war damals  der einzige Deutsche, der dieses Trikot hatte. Leider habe ich das Trikot heute nicht mehr…

 Ich möchte Euch von Sturm Graz und Herrn Dr. Paulitsch, der ja im letzten Jahr 80 Jahre alt wurde, 40 Jahre später danken, dass Ihr mir 1979 am „Gaberl“ einen so schönen Moment im Leben geschenkt habt!

Bitte auch gerne an Dr. Günter Paulitsch weiterleiten…vielleicht erinnert er sich noch an die Szene…

Diplom-Betriebswirt

Stefan Kiessler

Blankenbach