Sonstiges - 09.04.2021, 21:25

Willibald Pennitz zum Gedenken

Der Doyen des Grazer Sportjournalismus starb Ende März im 94. Lebensjahr

Willibald Pennitz war von 1949 bis zum Ende der „Südost Tagespost“ im Frühjahr 1987 Sportchef dieser großformatigen Zeitung. Er war über Jahrzehnte ein kritischer aber stets korrekter und positiv gestimmter Wegbegleiter unseres SK Sturm.

Wegbereiter des Sportjournalismus

Willibald Pennitz sorgte ab der Einführung der Staatsliga 1949 für eine bis dahin in Graz und der Steiermark nicht gekannte ausführliche Sport-Berichterstattung. Matchberichte, Kommentare, Glossen, Hintergrund-Geschichten, garniert mit gezeichneten Spielszenen, Skizzen und Karikaturen waren bis dahin nicht üblich, Fotos überhaupt eine Rarität. Doch auch sie kamen dank Friedrich Fischer und Egon Lohr mehr und mehr zum Einsatz. Pennitz mit seinen Mitstreitern Erich Schratzer, Fritz Kopschitz und Elfi Werthan – dazu die „Neue Zeit“ mit Otmar Behr und Erich Kamper sowie die in den 1950ern noch bedeutende „Wahrheit“ mit der Journalisten-Größe Hans Fenz lieferten Berichte und Statistiken in einer Zeit ohne Fernsehen und mit nur kurzen Radio-Einblendungen. Die Kleine Zeitung erweiterte mit Sportchef Harald Schaupp ab den 1960er Jahren die Sportberichterstattung, ab 1972 kam die Steirerkrone mit Wilfried Silli, Richard Kallinger und Egon Rejc hinzu.

 

Zeitung lesen in der Auslage

Es war auch die Zeit, als „Tagespost“ und „Neue Zeit“ noch in der Grazer Stempfergasse gedruckt wurden und die Redaktionsbüros der Tagespost in der Herrengasse, der Neuen Zeit und des Grazer Montags mit Hermann Gutjahr in der Stempfergasse lagen. Bis in die frühen 1980er Jahre war es üblich in den Abendstunden die druckfrische Presse beim Kolporteur zu kaufen oder in der Auslage in der Stempfergasse zu lesen. Der Fußballfan wartete meist schon gespannt auf das Erscheinen der Medien, um Matchberichte oder Transfermeldungen zu lesen. Nicht zu vergessen das Endlos-Leuchtband am Jakominiplatz, wo die Spielresultate in den Abendstunden zu lesen waren. Die Generation 50plus wird sich gewiss noch erinnern.

 

Das Sinnbild des seriösen Sportredakteurs

Willibald Pennitz war das Sinnbild des seriösen Sportredakteurs, der stets Korrektheit ausstrahlte. 1986 wurde er mit dem Sportoscar der europäischen Sport-Union ausgezeichnet. 1987 endete das Leben der „Tagespost“, Pennitz trat mit Sechzig zwangsläufig zu früh in den Ruhestand. Nobel, wie es seine Art war, zog er sich zurück. Lange Jahre sah man ihn noch beim Zeitunglesen im legendären Cafe Erzherzog-Johann. Die letzte Grazer Sportjournalisten-Legende der Nachkriegszeit ist nicht mehr.