Sonstiges - 02.12.2021, 00:23

Günther Neukirchner zum Fünfziger

Knapp 40 Jahre beim SK Sturm – ein Schwarzer der Superlative

Ein Sportlerleben für Sturm! Am 2. Dezember wird unser Rekordhalter Günther Neukirchner 50. Seit fast 40 (!) Jahren ist der geprüfte Mittelschullehrer (Mathematik, Sport) ein Fixbestand des SK Sturm. Legende, Jahrhundertspieler, Ehrenkapitän – ein Schwarzer der Superlative. Das stille aber schlagfertige Sturm-Urgestein kann auf 507 Pflichtspiele für Schwarz-Weiß verweisen, mit 37 Treffern als Verteidiger und Mittelfeldmann zeigt er auch in dieser Hinsicht auf. 426 Punktespiele, damit liegt er vor Andy Pichler und knapp hinter Mario Haas im absoluten Spitzenfeld. Dazu stehen 14 Länderspiele auf der Habenseite.

Güsch als Jungspund im Sturmdress.

“Kein Platz für solche Henderln wie dich“
Vor 41 Jahren startete Günther Neukirchner seine Karriere bei Sturm – als neunjähriger Knirps. Gerne erinnert sich der heutige Entwicklungscoach und Assistenztrainer an den Beginn. „Es war im Herbst 1980, als Sturm unter Otto Baric eine Supersaison hatte und Herbstmeister wurde. Damals trug ich mich in der Schule in Neuhart beim damaligen Sturm-Schülertrainer Siegi Plank an. Ich wollte unbedingt Sturmspieler werden.“ „Für solche Henderln wie dich ist kein Platz“, meinte Plank und schickte den noch nicht Neunjährigen heim. Da gab’s bittere Tränen.
Ein halbes Jahr später, im Sommer 1981, versuchte es „Güsch“ abermals. Jetzt durfte er bleiben. „Meinen Eltern habe ich ungemein viel zu danken. Sie unterstützten mich in jeder Beziehung, steckten aber auch klar den Rahmen. Da Gymnasium Keplerstraße mit Schwerpunkt Mathematik, dort der Sport. „Wenn du gut in der Schule bist, darfst du auch bei Sturm spielen“, waren ihre Worte. „Ich habe das locker durchgehalten. Die Matura 1990 und der Sprung in die Erste fielen fast zusammen.“

Neukirchner im Teamdress gegen die Frankreich-Stars Christian Karembeu und Youri Djorkaeff (r.).

1989: Feuertaufe unter Gustl Starek
„1989 ließ mich Gustl Starek als 17-Jährigen erstmals mit der Ersten trainieren.“ Der erste Echt-Einsatz für den BNZ-Spieler folgte dann im Sommer 1991, mit 19 – unter Gustl Starek. Beim 2:1-Heimsieg über die Vienna kam „Güsch“ für Egon Meixner in die Mannschaft. Sturm damals mit Pripfl; Petrovic; Walter Kogler, Kofler; Dallos, Temm, Kristensen, Pegam (Lang), Meixner (Neukirchner); Koschak, Holzer. Der endgültige Durchbruch gelang im Frühjahr 1993 unter Laco Jurkemik, als ein junges Team den Ligaverbleib erkämpfte sowie anschließend unter Milan Djuricic und Ivan Osim zuerst noch in der Gruabn, ab 1997 in der neuen Arena in Liebenau. „Angefangen habe ich als Stürmer, oftmals gab’s dann Einsätze auf allen Positionen im Mittelfeld. Schließlich der Libero und alle Verteidigerpositionen.“ Günther – ein echter Allrounder eben. Auch Rückschläge – wie die schwere Kieferzysten-Operation im Herbst 1996 – und einige weitere hartnäckige Verletzungen hat er bestens gemeistert.

Auch gegen Dwight Yorke und Manchster United machte Günther eine gute Figur.

7.11.2000: Der Traum von Istanbul
Höhepunkte waren natürlich die „goldenen Jahre“ unter Ivan Osim – mit den zwei Meistertiteln 1998 und 1999, den drei Vizemeistertiteln, den drei Pokalsiegen, den Supercupsiegen – und vor allem mit der dreimaligen Champions-League-Teilnahme. „Vor allem der Aufstieg in die zweite Hauptrunde der Champions-League mit dem sensationellen 2:2 von Istanbul war ganz einfach ein unfassbarer Traum.“ Sturm damals mit: Sidorczuk; Neukirchner; Prilasnig, Mamedov; Schopp (61. Korsos), Reinmayr (45. Yuran), Fleurquin, Minavand (87. Strafner); Kocijan, Vastic. Tore : 30. 1:0 Ergün (Elfer), 64. 1:1 Yuran, 75. 2 :1 Jardel, 80. 2 :2 Hakan-Ünsal-Eigentor.
„Vielen unserer Fans ist heute gar nicht bewusst, was wir zwischen 1995 und 2001 bewegt haben. Niemand hätte sich das 1991 auch nur annähernd erträumt. Das war einmalig für die Steiermark und für Graz“, weiß Günther – und er ist stolz, dabei gewesen zu sein. Er hat aber auch die Kehrseite kennen gelernt, die schweren Zeiten ab 2002, als Glück und Erfolg sich bei Schwarzweiß rar machten. „Alle glaubten, die Erfolge müssten in alle Ewigkeit weiter gehen. Das schaffen – mit viel Mühe – nur ganz Große, und selbst die haben Probleme. Für Sturm war ganz klar, dass auch wieder Durststrecken kommen. Leider hat man im Erfolg keine Reserven geschaffen.“

Günther mit seiner Petra.

Neukirchners Trainer bei Sturm:
Gustl Starek, Robert Pflug, Laco Jurkemik, Milan Djuricic, Ivan Osim, Franco Foda, Gilbert Gress, Michael Petrovic.
2006 wechselte Neukirchner in die zweite Liga zu Gratkorn und stieg in den Brotberuf als Lehrer an der Sport-Mittelschule Bruckner ein. Die Bindung zu Sturm blieb bestehen und schon 2008 kehrte er zu Schwarzweiß zurück. Zuerst als Co-Trainer der Sturm-Amateure, zweimal als Interimstrainer – 2014 nach dem Abgang von Darko Milanic zu Leeds, 2018 nach dem Ende der Ära Heiko Vogel. 2017 übernahm er in Absprache mit Günter Kreissl den wichtigen Job eines „Entwicklungscoaches“, der sich intensiv um den Aufbau junger Talente von Sturm II und Akademie in Richtung Kampfmannschaft einsetzt. Und er ist im Team Christian Ilzer ein wichtiger Bestandteil.
2009 von den Fans ins Jahrhundertteam gewählt, wurde er bei der Generalversammlung 2016 mit Mario Haas und Andy Pichler zum Ehrenkapitän ernannt, 2017 dann in den Kreis der Sturm-Legenden aufgenommen.
Der mit Petra verheiratete Vater einer Tochter (Anna) und eines Sohnes (Paul) wird dem SK Sturm hoffentlich noch lange Jahre erhalten bleiben. Ein Urgestein mit Charisma und Intelligenz, wie man es sich nur wünschen kann.
Alles Gute zum Fünfziger wünscht die große schwarzweiße Familie.

Auch Präsident Christian Jauk lässt es sich nicht nehmen, der Klublegende zu gratulieren: “Günther ist eine Ikone meines eigenen Fanlebens. Er lebt eine Sturmeigenschaft ganz besonders und das ist die Treue. Im Namen der gesamten Sturmfamilie gratuliere ich herzlich zum runden Geburtstag und bedanke mich für die unzähligen Jahre Einsatz für seine und unsere Schwoazn.“

Und hier noch eine ausgedehnte Diashow, mit Fotos aus Günther Neukirchenrs großer Sturm-Karriere:

Günther Neukirchner, 40 Jahre Sturm Graz.