Sonstiges - 09.07.2021, 12:24

Hubert „Hubsi“ Kulmer 67-jährig verstorben

Der “Flügelflitzer“ verstarb im 68. Lebensjahr | 253 Ligaspiele und 53 Tore für Sturm

Am 30. Oktober wäre einer der besten Sturm-Stürmer der Klubgeschichte 68 Jahre alt geworden. Am 9. Juli erlag er viel zu früh einem schweren, tapfer ertragenen Leiden: Hubert „Hubsi“ Kulmer. Der Weizer, der zu Unrecht etwas im Schatten von Gernot Jurtin und Bozo Bakota stand, war von 1973 bis 1982 stets für entscheidende Tore, aber auch für Assists gut. 2017 wurde er verdientermaßen in den Kreis der Sturm-Legenden aufgenommen, worüber er sich ehrlich freute.

Hubert Kulmer (hockend, 4. von rechts) im legendären Sturm-Team von 1977.

Eine stolze Bilanz

Hubert Kulmers Sturmbilanz liest sich hervorragend: Insgesamt 284 Pflichtspiele und 57 Tore. Im Detail: 253 Bundesligaspiele, 53 Tore. Dazu 12 UEFA-Spiele, zwei Tore, 19 ÖFB-Cupspiele, 2 Tore – im Finale beim 2:0 gegen Wacker Innsbruck beide Tore. Pokalfinalist und Vizemeister. Die Angriffsreihe Kulmer-Stendal-Jurtin war schon 1974 Klasse und sorgte für Siege gegen Rapid, Austria und Co. Später spielte Hubsi aus dem Mittelfeld hinter Bakota-Toni Haas-Jurtin mit großem Erfolg – national und international.

Kulmers Sturmära begann am 20. Juli 1973, dem allerletzen Transfertag: Sturm war eben dem Maul- und Klauenseuchen-Sumpf entkommen, die Schlechta-Truppe verblieb in der obersten Spielklasse. Der Weizer, der in Puch bei Weiz – wo auch der von ihm so geschätzte Christian Ilzer aufwuchs – seine Kindheit verlebte, war bereits bei einem Probetraining in Hütteldorf bei Rapid – ehe ihn Schlechta noch rasch in die Gruabn umleitete. Gerade rechtzeitig zum sensationellen Erfolgslauf von Steiner und Co. im Herbst 1973. Sechs Siege en suite katapultierten Sturm erstmals in der Klubgeschichte an die Tabellenspitze. Schlechta gab dem 19-Jährigen von Beginn weg eine Chance – und in Runde sechs erzielte Kulmer das Siegestor zum 1:0 in Salzburg-Lehen. Sturm damals mit Benko; Wirth, Ruß, Fuchs, Rosner; Ringert, Seneca, Steiner; Schriver (Rudi Lang), Kaiser (Kulmer), Zamut.

Beim Torjubel war der kleine Hubsi der Größte.

Weitere Höhepunkte

Sturm qualifizierte sich 1974 für die neue Zehnerliga. Im Herbst 1974 scorte Hubsi im UEFA-Pokal gegen Royal Antwerpen das Tor zum 2:0 (Endstand 2:1) und feierte in der Folge gegen Austria Wien (2:2 und 4:2 in Wien, 2:0 und 3:0 in Graz) sowie gegen Rapid (4:0 in Graz) große Erfolge. Ein besonderes Highlight waren die schon genannten zwei Tore im Pokalfinale 1975 gegen Wacker Innsbruck in Liebenau in der Mannschaft Muftic; Ruth, Ruß, Heri Weber, Heli Huberts; Pichler (83. Hofmeister), Seneca, Steiner; Kulmer, Stendal, Jurtin. Leider verlor Sturm das Hinspiel am Tivoli durch zwei harte Elfmeter mit 0:3 und schrammte knapp am Pokalsieg vorbei. Denn ein drittes Kulmer-Tor wurde von Schiri Franz Wöhrer wegen eines angeblichen Abseits aberkannt …

1975/76 folgte die große Serie im Europacup der Pokalsieger – Innsbruck war ja Meister – mit den Spielen gegen Slavia Sofia, Haladas Szombathely und Eintracht Frankfurt. Beim legendären 6:5 gegen den FC Bayern am 26. Oktober 1976 erzielte Hubsi das 2:1.

Hubsi Kulmer und Manfred Steiner weilen nicht mehr unter uns.

Hubsi machte Sturm zum Herbstmeister

Im Mai 1980 war es Hubsi Kulmer, der mit dem erlösenden 2:0 gegen die Vienna in Liebenau den Klassenerhalt in der jungen Ära Baric sicherstellte. Und so folgte die großartige Saison 1980/81, als Sturm Herbstmeister und Vizemeister wurde, nur ganz knapp am Meistertitel vorbeischrammte. Unvergessen das 3:1 gegen Rapid in der letzten Herbstrunde am 29. November 1980, als Kulmer das entscheidende Tor zum 2:0 erzielte und Sturm erstmals in der Klubgeschichte als Herbstmeister feststand. Bozo Bakota und Gernot Jurtin waren die weiteren Schützen. Die damalige Mannschaft: Saria; Wirth, Schilcher, Pichler, Schauss; Breber (Hörmann), Kulmer (Peter Huberts), Steiner, Boyron; Bakota, Jurtin.

Besonders tragisch: Aus der Erfolgstruppe 80/81 sind Saria, Schilcher, Schauss, Steiner, Boyron, Bakota,  Stendal, Jurtin und nun Kulmer sowie Coach Baric nicht mehr am Leben. Mit Ausnahme von Baric gingen alle im Alter zwischen 51 und 71.

1981/82 war Sturm im UEFA-Pokal gegen ZSKA Moskau und IFK Göteborg engagiert, in der Meisterschaft erzielte Kulmer beim 2:0 gegen den GAK das erste Tor.

Kulmer kickte bis zum 45. Lebensjahr.

Spielertrainer mit 45 Jahren

Während seiner ganzen Sturm-Karriere war Hubert Kulmer beim Finanzamt für Steiermark berufstätig. „Nicht selten kamen wir aus Innsbruck erst in den Morgenstunden nach Graz, dann ging es gleich zur Arbeit ins Amt“, erinnert er sich. 1982 wurde die Liga auf 16 Klubs aufgestockt und Präsident Franz Gady speckte den Kader ab. Kulmer konnte sich auf keinen neuen Vertrag einigen. In der Folge spielte er bei seinem Stammklub Weiz, übersiedelte dann nach Jennersdorf und war – bereits mit 41 – noch Spielertrainer in Gleisdorf, wo er in die Oberliga aufstieg.

Ab Sommer 1996 betreute Kulmer den SC Breitenfeld, wo er mit 45 noch ein letztes Meisterschaftsspiel bestritt. Von 1999 bis 2005 war er Trainer in Weiz, wo er den Aufstieg in die Landesliga schaffte. Ein Intermezzo bei Pöllau folgte – und dann wechselte er 2006 nach Fehring. Als UEFA-A-Lizenz-Trainer coachte er in der Folge Großklein, Anger, Kohfidisch, Gleichenberg und Feldbach. Selbst die schwere Erkrankung  konnte ihn lange Zeit nicht von seinem Einsatz als Trainer abbringen. „Denn Fußball ist einfach mein Leben, das hält mich frisch“.

Die Sturmfamilie trauert um ihren lieben, sympathischen Hubsi Kulmer und wünscht seiner Partnerin viel Kraft in dieser schweren Stunde.

Präsident Christian Jauk würdigt Kulmer zum Abschied: "Hubsi war ein unglaublich symphatischer und bodenständiger Mensch und ein fantastischer Fußballer. Immer wenn ich ihn bei diversen Turnieren getroffen habe, hatte er ein Lächeln auf den Lippen. Das tiefe Mitgefühl der Sturmfamilie gilt seinen Angehörigen und Freunden. Ruhe in Frieden!"

Die Verabschiedung für Hubert Kulmer findet am Freitag, den 16. Juli um 13:00 Uhr in der Feuerhalle Graz.