Sonstiges - 22.07.2021, 00:38

Robert Seeger ist 80 Jahre jung

„Sturm-Vizepräsident“, ORF-Sportreporter-Legende – und stets treuer Begleiter seines Lieblingsklubs

Sieht und hört man ihn – wie zuletzt als Moderator von Oe24 bei der EM – glaubt man es nicht: Professor Robert Seeger feiert am 22. Juli seinen 80. Geburtstag. Die Stimme der ORF-Ikone klingt wie eh und je voller Kraft und Charisma. Eigentlich hätte er ja Geigen-Virtuose werden sollen, aber das Sturm-Virus war stärker.

Robert Seeger machte aus seiner Liebe zu Sturm nie ein Geheimnis.

Präsident Gady “adelte“ Seeger

Der Moderator, Kommentator, Reporter und Redakteur Robert Seeger prägte über Jahrzehnte den ORF-Fernsehsport in Österreich. In der Steiermark und in Graz war er als Radio-Sportreporter schon seit 1965 ein liebgewordener Begriff, nach der Pensionierung von Max Pfliger war er ab 1973 Sportchef in der grünen Mark. Mit seiner Liebe zu unserem SK Puntigamer Sturm Graz hielt er nie hinterm Berg – und so ernannte ihn der legendäre Sturm-Präsident Franz Gady bereits um 1980 herum zum heimlichen „Sturm-Vizepräsidenten“.

Legendär: Seeger im Norweger-Pulli mit Armin Assinger bei einem Schirennen.

 

Man darf seine Jugendträume nicht verdrängen

Seeger wurde 1941 in Graz geboren. In den 1950er Jahren fand Robert gegen den Willen seines Vaters, der aus ihm einen Violin-Virtuosen machen wollte, zu Schwarzweiß. „Ich ging 1956 heimlich in die Gruabn zum Spiel Sturm gegen Vienna, das Match endete 2:2.“ Damit war seine Fußball- und Sturm-Leidenschaft eingepflanzt. „Als Reporter stand ich immer dazu, dass man seine Jugendträume nicht einfach verdrängen kann.“ Anfang der 1960er-Jahre ging Seeger in die USA und arbeitete im UNO-Filmarchiv. Bei einem Heimatbesuch in Graz wurde er von Radio Steiermark interviewt und gefragt, ob er nicht mitarbeiten wolle. „Damals habe ich mich für Graz und den Rundfunk entschieden.“ 1967 wurde Seeger fix angestellt und war bis zu seiner Pensionierung 2006 40 Jahre lang für den ORF tätig. Seither ist er freischaffend auf Privatsendern und bei Veranstaltungen tätig. Überall hört und sieht man ihn gerne als Kommentator.

Robert Seeger ist Stammgast in der Arena, prominente Sitznachbarn sind Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und Präsident Christian Jauk.

Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde

Die erste Fußball-Radioreportage 1965 erfolgte in der damaligen Kultsendung „Sport und Musik“ mit den beliebten Direkt-Einblendungen: Steiermark-Sportchef Max Pfliger war erkrankt – es war das Spiel GAK gegen Simmering, 3:0. 1970 folgte die erste Länderspielreportage in Graz gegen Jugoslawien, 1972 dann die ersten olympischen Spiele und 1974 die erste Fußball-WM in Deutschland.
Der begeisterte Statistiker und Chronist Robert Seeger hat exakt 1056 Skirennen und über 500 Fußballspiele kommentiert und war von 1972 bis 2008 bei allen (10) olympischen Sommer-und Winterspielen als Kommentator tätig. Neun Fußball-Weltmeisterschaften (1974 bis 2006) folgten, neunmal hat er das Finalspiel kommentiert – und auch das legendäre 3:2 Österreichs über Deutschland 1978 in Cordoba (Edi Finger war Radioreporter). Das alles bescherte ihm den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.

Robert Seeger mit Jahrhundert-Trainer Ivan Osim.

Ehrung folgt auf Ehrung

1997 erhielt er die Goldene Romy als beliebtester Sportmoderator des Landes, das Große Ehrenzeichen des Landes Steiermark und das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Graz sind weitere hohe Auszeichnungen. 2003 wurde ihm von Bundespräsident Klestil der Titel Professor verliehen.
Seeger moderierte auch die Sendungen Sport am Montag und Sportarena und war lange Jahre Chefkommentator des ORF. Nach 2006 berichtete er als freier Mitarbeiter von großen Schwimm- und Leichtathletikbewerben. In Radio Steiermark moderierte er auch jahrelang politische Magazine und Musical-Sendungen.

Seeger mit Mario Haas bei der Meisterfeier 2011.

 

Immer hautnah bei Sturm dabei

Beginnend mit der Springer-Ära – mit der ersten Live-Übertragung 1969 aus der Gruabn gegen Rapid, über Arsenal 1970, die Schlechta-Ära mit den Aufstiegen gegen Sofia und Szombathely, die Ära Baric mit dem Herbst- und Vizemeistertitel 1980/81 bis zur UEFA-Cup-Sensation unter Gernot Fraydl 1983/84 mit der „Elfertragödie“ gegen Nottingham im März 84 – immer war Robert Seeger hautnah dabei. Als Schiri Yuschka aus der UdSSR gegen Nottingham in der Verlängerung auf Elfer gegen Sturm entschied, musste sogar ein Kopfhörer des ORF daran glauben. Und dann natürlich die Ära Osim mit den vielen Titeln und den Champions-League-Erfolgen, dem Triumph von Istanbul 2000 – Robert Seeger war eine Konstante. Seine Stimme ist über vier Jahrzehnte hinweg eng mit den Erfolgen des SK Sturm und den Höhen und Tiefen des rotweißroten Fußballs – Argentinien 1978, Spanien 1982, Frankreich 1998 und mehr – verbunden.

Auch heute ist Robert Seeger noch dem Sport verbunden und verleiht Veranstaltungen mit seinen Moderationen eine besondere Note.
Die Sturmfamilie wünscht ihm zum 80er alles Gute und noch viele aktive, schöne Jahre mit seiner Gattin und viel Freude mit seinem in Wien erfolgreichen Sohn und dessen Kindern. Eine unsterbliche Legende ist er längst.