Sonstiges - 04.02.2021, 09:17

Sturm Graz trauert um Legende Walter Saria

Der Rekord-Keeper verstarb mit nur 65 Jahren

Walter Saria war mit 366 Pflichtspielen und 103 Begegnungen ohne Gegentor der absolute Rekordhalter der Sturm-Tormänner. Von 1975 bis 1986 war er der Einser-Goali in Schwarzweiß. Der so sympathische Walter verstarb am 3. Februar fünf Tage vor seinem 66er allzu früh an einer schweren Krankheit. Unser Mitgefühl gilt seiner Birgit und seinen zwei Kindern. 

Präsident Christian Jauk würdigt Walter Saria mit persönlichen Worten: ""Walter war der erste Torhüter, den ich als Sturmfan bewundern durfte. Wir haben über viele Jahre immer wieder Kontakt gehabt. Er war außerordentlich bescheiden und ein toller Sportsmann, der die Vereinstreue wie kaum ein anderer gelebt hat. Unsere Gedanken sind bei seiner Birgit und seinen gesamten Angehörigen. Die Sturmfamilie hat eine weitere unvergessliche Legende verloren."

Nachruf auf eine Legende

Franz Mikscha, 1956 bis 1968 und 269 Einsätze bei damals nur 26 Meisterschaftsspielen pro Jahr, Walter Saria und Christian Gratzei, 2002 bis 2018 mit 310 Pflichtspielen sind die unangefochtenen Spitzenreiter. Mit seinen tollen Spielen in Meisterschaft und Europacup ist er allen Sturmfans ein Begriff und wurde 2009 in den Kader der Jahrhundertmannschaft gewählt. Dem stets bescheidenen und ruhigen Walter Saria waren Starkult und Selbstinszenierung fremd. Für ihn zählten Leistung, Teamgeist und Kameradschaft.

Saria stammt aus St. Peter am Ottersbach, wo sein Vater eine Fleischerei betrieb und die Mutter Lehrerin war. Die Oststeiermark war in den frühen 1970er Jahren eine wahre Talenteschmiede: Kulmer, Pichler, Gruber, Schrei aus Weiz, Saria, Schneider, Leo Weiß, später auch Toni Haas und Walter Hörmann aus Feldbach zeigten auf. Im Juni 1975 beobachten Sturm-Präsident Hans Gert und Trainer Karl Schlechta den 20jährigen Saria beim Landesligamatch Guggenbach gegen Feldbach. Schlechta war vom Talent des jungen Walter überzeugt und bestärkte Gert, den Goali sofort zu holen.

Im zweiten Bundesliga-Jahr, dem Europacup—Viertelfinal-Jahr1975/76, war er vorerst dritter Goali im Sturm-Kader, mit Refik Muftic und Fritz Benko hatte er starke Konkurrenten. Aber Schlechta setzte auf ihn und schon am 10. September 1975 debütierte er am Innsbrucker Tivoli. 0:3 war das Ergebnis, doch eine Woche später schlug Sturm den Meister aus Tirol im Rückspiel in Liebenau durch zwei Kulmer-Tore sensationell mit 2:1. Mit Koncilia, Krieß, Pezzey, Flindt, Welzl, Eigenstiller und Co und Trainer Branko Elsner war das damals ein Bombenteam. Sturm spielte mit Saria; Wirth, Ruß, Thaler, Helmut Huberts; Pichler, Steiner, Weber; Kulmer, Stendal (Walter Gruber), Zamut. Auch beim Europa-Pokal-Sieg über Slavia Sofia in Liebenau, das mit einem 3:1 für Sturm endete, war der 20jährige im Einsatz und erhielt Sonderapplaus. Sturm schaffte damals den Einzug ins Viertelfinale.

Zehn Jahre Nummer eins

Nach zwei Jahren alternierend mit Refik Muftic und Fritz Benko war Walter Saria von 1977 bis 1986 fast zehn Jahre lang unumstrittene Nummer eins. Die zweiten Goalies – Franco Moser, Harald Rampitsch, Rene Seitner und Co – kamen nur ganz vereinzelt zum Zug. 1977/78 – in zehn Spielen nur sechs Gegentore, 1979/80, 1980/81, 1981/82 und 1982/83 spielte Walter jeweils in allen 36 Punktespielen, 1978/79 wurde er nur zweimal durch Moser vertreten. Ein seltener Rekord!

In den ersten Jahren studierte Saria, dessen Bruder Universitätsprofessor für Pharmakologie ist, an der Universität Sport und Mathematik. Das Studium ließ sich jedoch immer schwerer mit dem Fußball vereinbaren – und so begann er, der wie Pichler, Kulmer, Jurtin und Co stets Halbprofi blieb - beim Amt der Steiermärkischen Landesregierung. Bis zu seiner Pensionierung machte er als B-Beamter in der Gemeindeabteilung Karriere und war zuletzt bis zu seiner Pensionierung gefragter und geschätzter Oberamtsrat.

1980 im März folgte auf Trainer Günter Paulitsch Otto „Maximale“ Baric. Zuerst rettete dieser in einem Zitterfrühjahr Sturm vor dem Abstieg, im Herbst 1980 folgte dann der Beinahe-Triumph. In diesem Fast-Meisterjahr 80/81 feierte die Truppe Saria; Wirth, Schilcher, Pichler, SChauss; Breber (Hörmann), Kulmer (Peter Huberts), Steiner, Boyron; Bakota, Jurtin am 29. November 1980 den umjubelten ersten Herbstmeistertitel für einen steirischen Klub. Im Juni 1981 schrammte Sturm knapp am allerersten Meistertitel vorbei. Im Herbst 1981 folgten die UEFA-Cup-Schlachten gegen ZSKA Moskau (1:0 und 1:2) und IFK Göteborg (2:2 und 2:3) – immer mit Saria im Tor.

Höhepunkt UEFA-Pokal

Unter Gernot Fraydl erlebte Walter 1983/84 einen abermaligen Höhepunkt: Spitzenplatz in der damaligen Sechzehnerliga und vor allem ein UEFA-Pokal-Höhenflug sondergleichen. 2:1 und 0:0 gegen Sportul Bukarest, 2:2 und 0:0 gegen Hellas Verona, 2:0 und 0:1 gegen Lok Leipzig sowie 0:1 und 1:1 gegen Nottingham Forest, damals mit Saria; Pichler; Schauss, Steiner, Feirer; Breber, Hörmann, Peter Huberts (60 Thonhofer); Bakota, Szokolai, Jurtin. Die Fußball-Steiermark stand Kopf. „Mittlerweile hat sich ja im Fußball eine finanziell total abgehobene Spitze gebildet, da kann ein Verein unserer Größenordnung nicht mehr hinkommen“, so Walter Saria vor zwei Jahren in einem Interview auf Sturmnetz.

Das Nationalteam war für den Klassekeeper bei der Konkurrenz mit Koncilia, Feurer, Fuchsbichler und Lindenberger kein Thema. Vor allem Friedl Koncilia war ja fast zehn Jahre lang kaum aus dem Team zu verdrängen. Ein Klubwechsel kam für Saria nicht in Frage, Sturm und Graz waren für ihn Heimat. Nach dem Ende der aktiven Zeit, die er ab 1987 bei Feldbach und Allerheiligen ausklingen ließ, konzentrierte er sich auf die Familie mit seiner Birgit, die er übrigens in der Gruabn kennen lernte, und seinen zwei Kindern, auf seinen Beruf und seine Hobbies wie Tennis, Windsurfen, Reisen mit dem Wohnwagen und die Betreuung seines Hauses mit großem Grund.

Seine Kameraden von einst, mit denen er sich gerne zu Tennisturnieren traf, Walter Hörmann, Andy Pichler, Zvonko Breber, Kurt Grössinger und Co sind zutiefst erschüttert vom Tod ihres so beliebten Freundes. Besonders tragisch: Von der Fast-Meistertruppe 1981 sind mit Saria, Schilcher, Schauss, Steiner, Boyron, Bakota, Stendal, Jurtin, Kaderspieler Bergaus und Trainer Baric zehn Akteure nicht mehr am Leben.

Die Sturmfamilie verneigt sich vor einem großen Menschen und einer unvergesslichen Legende.