Kampfmannschaft - 30.04.2018, 13:31

FAQ

Wie kam es zur Bundesliga-Reform?

Die Reform ist eine riesige Chance für den österreichischen Fußball, sich sportlich und wirtschaftlich weiter zu entwickeln.

Angestoßen wurde die Reform aufgrund der zunehmend schwierigeren wirtschaftlichen Situation in der Sky Go Ersten Liga und dem Beschluss, dass zwei Klubs aus der Sky Go Ersten Liga direkt in die Regionalliga absteigen. Im Laufe der Saison 2015/16 kam dieses Thema immer stärker an die Oberfläche.

Letztendlich gab es in der Saison 2015/16 mit SV Austria Salzburg (Insolvenz), SK Austria Klagenfurt (Lizenzverweigerung) und SV Grödig (Lizenzverzicht) keinen sportlichen Absteiger aus der Bundesliga. Darüber hinaus lehnten die Landesverbände im Frühjahr 2016 eine Reduzierung der 2 Fixabsteiger aus der Sky Go Ersten Liga ausdrücklich ab. Es bestand daher Handlungsbedarf.

Im Mai 2016 wurde die Reform des Ligenformats bei der gemeinsamen Klubkonferenz und der anschließenden Hauptversammlung in Klagenfurt beschlossen. 12 Klubs in der höchsten Spielklasse und 16 Klubs darunter lautete mit 81%iger Mehrheit das Ergebnis. Bis zum Beschluss für den neuen Spielmodus 12/16 ab der Saison 2018/19 folgte ein umfangreicher Prozess.

Wer hat den Spielmodus für die erste Spielklasse entschieden?

Nach dem Grundsatzbeschluss vom 31. Mai 2016 war das Fundament zur Ligenreform gelegt. In den darauffolgenden Monaten wurde gemeinsam mit der niederländischen Consulting-Firma Hypercube, die unter anderem bereits für die UEFA, die belgische und die holländische Liga tätig war, in einem offenen und transparenten Entscheidungsprozess am genauen Modus des neuen Ligaformats gearbeitet.

Dabei wurden alle relevanten Stakeholder (Fans, Spieler/Gewerkschaft, Trainer, Klubs, TV, Journalisten, Sponsoren, Legenden, ÖFB und Landesverbände) eingebunden und die unterschiedlichen Varianten anhand objektiver Parameter (sportliche Aspekte, Terminplan, Stadion-Zuschauer, TV-Zuseher, Einnahmen, Fairness) diskutiert und bewertet.

Die Details des Spielmodus wurden anschließend am 1. Dezember 2016 in einer gemeinsamen Klubkonferenz beschlossen.

Welches Ziel verfolgt die Bundesliga mit der Reform?

Die Reform ist eine riesige Chance, den österreichischen Fußball sportlich und wirtschaftlich weiterzuentwickeln. Insbesondere der neue Spielmodus bringt Entwicklungspotential mit sich.

Sportlich verspricht der Modus Spannung bis zum Schluss und eine Konzentration von vielen Entscheidungsspielen zu gleich drei Zeitpunkten einer Saison: zum Ende des Grunddurchgangs, im Finaldurchgang und im Europa League-Play-off.

Wirtschaftlich ergeben sich dadurch zusätzliche Erlöspotentiale: durch die Spannungselemente sind mehr Zuschauer in den Stadien sowie auch zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten zu erwarten. Gemäß den Prognosen der Firma Hypercube bringt der neue Spielmodus eine Steigerung von zumindest +10% in allen Bereichen.

Langfristig betrachtet hört die Reform nicht mit den Detailbeschlüssen zum Spielmodus auf. Sie soll vielmehr als Startschuss für eine mittel- und langfristige Entwicklung verstanden werden. So ist das Ziel der Bundesliga und ihrer Klubs die Aufstockung der höchsten Spielklasse, sobald die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen dafür gegeben sind.

Wie lange ist dieses Format gültig?

Das Format und der Modus sind auf unbestimmte Zeit beschlossen und können mit der jeweiligen Mehrheitsentscheidung geändert werden. Ein langfristiges Ziel der Bundesliga und ihrer Klubs ist die Aufstockung der höchsten Spielklasse, sobald die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen dafür gegeben sind.

Warum hat man keine Liga mit 16 Klubs umgesetzt?

Eine umfassende Analyse der österreichischen Fußballlandschaft hat ergeben, dass die höchste Spielklasse aus wirtschaftlichen und infrastrukturellen Gründen derzeit aus nicht mehr als 12 Klubs bestehen kann. Mitbedenken muss man dabei, dass für eine 12er-Liga zur Sicherung des sportlichen Auf-/Abstiegs zumindest 14 Klubs notwendig sind, die die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Anforderungen der Bundesliga erfüllen.

In Zukunft soll dies jedoch realisiert werden können.

Wie funktioniert der neue Spielmodus der Tipico Bundesliga ab der Saison 2018/19?

Auf den ersten Blick wirkt der Spielmodus vielleicht etwas komplex, auf den zweiten ist er spannend:

Im Grunddurchgang spielen alle 12 Klubs jeweils zweimal gegeneinander (=Runde 1-22).

Danach werden die Tabelle und die Punkte geteilt und der Finaldurchgang gestartet (=Runde 23-32). Die besten 6 Klubs spielen in der „Meistergruppe“ wieder jeden gegen jeden um den Meistertitel und die internationalen Startplätze. Die weiteren 6 Klubs spielen ebenfalls zweimal gegeneinander gegen den Abstieg und um den Sieg in der „Qualifikationsgruppe“.

In der letzten Phase spielen der Sieger der Qualifikationsgruppe und die Plätze 4 und 5 der Meistergruppe in einem Play-off um das letzte Europa-League-Ticket.

Werden die Klubs taktieren und versuchen gegen leichtere Gegner in der Qualifikationsgruppe in die Europa League zu kommen?

Es ist zu erwarten, dass alle Klubs während des Grunddurchgangs auf Sieg spielen, um nach 22 Runden in der Meistergruppe zu spielen. Die Vorteile der Meistergruppe sind offensichtlich: die Chance auf den Meistertitel, attraktive Gegner, mindestens 3 fixe UEFA-Startplätze (bei insgesamt 5 Startplätzen) und keine Abstiegsgefahr.

Der Weg in die Europa League über die Qualifikationsgruppe wird kein leichter werden. Nachdem ein Klub diese Gruppe gewonnen hat, muss sich dieser gegen zwei weitere Gegner (Plätze 4 und 5) aus der Meistergruppe durchsetzen.

Auch die Erfahrungen internationaler Ligen wie Belgien oder Polen, die eine ähnliche Teilung der Spielklasse durchführen, zeigen, dass kein diesbezügliches Taktieren zu erwarten ist.

Wie wird der Torschützenkönig ermittelt?

Für die Torschützenliste werden alle Spiele, inklusive Play-off-Spiele, gewertet. Es zählen also alle erzielten Tore im Laufe der gesamten Saison.

Wann werden die Punkte geteilt und was passiert bei Punktegleichstand?

In der Bundesliga gibt es einen Grunddurchgang, in dem alle 12 Klubs jeder gegen jeden einmal zuhause und einmal auswärts spielen. Nach 22 Runden wird die Tabelle in der Hälfte geteilt. Die besten sechs Teams nach dem Grunddurchgang kommen in die Meistergruppe, die zweiten sechs in die Qualifikationsgruppe.

Die Punkte aus dem Grunddurchgang werden halbiert. Bei halben Punkten wird abgerundet. Sind zwei Klubs am Ende des Finaldurchgangs punktegleich und wurde bei einem dieser Klubs ein halber Punkt abgerundet, wird dieser Klub vorgereiht.

Wurde bei keinem oder bei beiden Klubs abgerundet, wird als nächstes Entscheidungskriterium die Tordifferenz herangezogen. Sollte auch diese gleich sein, werden die weiteren vier bestehenden Entscheidungskriterien herangezogen.

Neben der sportlichen Fairness war eine attraktivere Gestaltung des Spielmodus ein wichtiges Ziel des Reformprozesses. Der Nachteil der Punkteteilung liegt klar auf der Hand: die Leistungen aus dem Grunddurchgang werden sportlich „halbiert“.

Warum kommt es zu einer Punkteteilung nach den ersten 22. Runden, obwohl diese sportlich ungerecht ist?

Die Klubs haben sich dennoch einheitlich für eine Punkteteilung entschieden, da die Meisterschaft über die ganze Saison hinweg spannender und attraktiver wird. Siege gewinnen nach Punkteteilung noch mehr an Wert als Unentschieden. Im Grunddurchgang ist daher zu erwarten, dass die Teams auf Sieg spielen müssen, um nach 22 Runden unter den besten 6 zu sein.

Im Finaldurchgang rücken die Klubs nach der Punkteteilung in den beiden Gruppen wieder enger zusammen, wodurch die letzten 10 Runden der Meisterschaft äußerst spannend werden. Speziell die Meisterschaftsentscheidungen werden zu einem späteren Zeitpunkt als bisher fallen.

Genau das Gegenteil wäre ohne Punkteteilung der Fall. Auf Basis der Berechnungen von Hypercube ergeben sich durchschnittlich folgende Punktestände nach 22 Runden. Zu berücksichtigen ist dabei, die in Spalte 2 dargestellte Standardabweichung, die in 70% der Fälle bspw. zwischen dem 1. und dem 2. eine Punktedifferenz von mehr als 10 Punkten prognostiziert:

 

Durchschnitt

 

Standardabweichung

1

50.8

1

+/- 4.6

2

44.6

2

+/- 3.8

3

40.2

3

+/- 3.3

4

36.5

4

+/- 2.9

5

33.3

5

+/- 2.7

6

30.5

6

+/- 2.5

7

27.8

7

+/- 2.4

8

25.4

8

+/- 2.3

9

22.9

9

+/- 2.4

10

20.3

10

+/- 2.4

11

17.3

11

+/- 2.7

12

13.1

12

+/- 3.5

Entwertet die Punkteteilung den Grunddurchgang?

Der Grunddurchgang wird ein wichtiger Teil der Meisterschaft sein. Bereits nach 22 Runden kommt es zu der ersten wichtigen Entscheidung: spielt man im Finaldurchgang in der Meistergruppe um Titel und den direkten Weg ins internationale Geschäft, oder in der Qualifikationsgruppe gegen den Abstieg und die Chance am Europa League-Play-off teilzunehmen.

Wer nimmt am Europa League-Play-off teil, wenn der Cup-Sieger am Saisonende auf Platz 1, 2 oder 3 der Meistergruppe steht?

Wie auch in der aktuellen Meisterschaft gibt es mehrere Szenarien, wenn der Cup-Sieger auch in der Meisterschaft auf einem internationalen Tabellenplatz steht.

Allgemein gilt: Der 6. der Meistergruppe bzw. ebenso die Plätze 9 bis 12 werden nicht am Europa League-Play-off teilnehmen.

Warum darf der 7. nach 32 Runden am Europa League Play-off teilnehmen und der 6. nicht?

Ein wichtiger Aspekt der Qualifikationsgruppe ist der sportliche Anreiz. In dieser Gruppe gibt es etwas zu gewinnen (Teilnahme am Europa League-Play-off) und etwas zu verlieren (Abstieg). Ebenso kann nach 32 Runden nicht mehr von einem Tabellensiebenten gesprochen werden. Dieser Klub hat im Finaldurchgang die Qualifikationsgruppe gegen 5 andere Klubs gewonnen und somit sportlich besser performt als der 6. der Meistergruppe – wenn auch gegen andere Gegner.

Genauso verhält es sich mit der Meistergruppe: Wenn alle Plätze der Meistergruppe (1 bis 6) mit zumindest der Teilnahme im Europa League-Playoff verbunden wären, würde ebendiese Gruppe deutlich an sportlicher Attraktivität einbüßen, weil es nichts zu verlieren gibt. Sport lebt von der Spannung - Sieg sowie Niederlage sind die Grundvoraussetzungen dafür.

Warum hat man sich ausgerechnet für diesen Play-off-Modus entschieden?

Unter den Klubs und allen Beteiligten des Reformprozesses wurden mehrere Modelle diskutiert. Einer der Beweggründe zu dem umgesetzten Europa League Play-off war die Anzahl der Spieltage.

Aktuell gibt es 36 Spieltage, die man möglichst reduzieren wollte, damit man einerseits weniger englische Runden in kalten Wintermonaten spielen muss, andererseits auch international konkurrenzfähig ist (Stichwort: Doppelbelastung).

Mit dem neuen Spielmodus kommt man nun auf max. 35 Spieltage für einen Klub der am Play-off teilnimmt (22 Grunddurchgang + 10 Finaldurchgang + bis zu 3 EL-Play-Off), alle Klubs, die nicht am Play-off teilnehmen, haben 32 Spiele.

Andere Varianten würden wieder 36 oder mehr Spieltage bedeuten. Ein Spieltag mehr oder weniger mag vielleicht nicht besonders bewegend erscheinen, hat aber deutliche Auswirkungen auf den Rahmenterminplan.

Wie werden Karten und Sperren in den drei Entscheidungsphasen (Grunddurchgang, Finaldurchgang, Europa League-Play-off) übernommen?

Gelbe Karten sowie Sperren aus Gelben, Gelb-Roten und Roten Karten werden vom Grund- in den Finaldurchgang mitgenommen.

Zwischen dem Finaldurchgang und den Play-off-Spielen bleiben nur Sperren nach Gelb-Roten bzw. Roten Karten aufrecht. Die Sperren durch Gelbe Karten bzw. die Anzahl der Gelben Karten werden nach dem Finaldurchgang gelöscht, das heißt in den Play-off-Spielen sind keine Gelb-Sperren möglich. Das soll sicherstellen, dass die Klubs in den Play-off-Spielen mit den bestmöglichen Mannschaften antreten können.

Warum werden Sperren nach Gelben Karten und auch Gelbe Karten nicht ins Europa League-Play-Off übertragen?

Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Klubs in den Play-off-Spielen mit den bestmöglichen Mannschaften antreten können.